Ein Halloweenkostüm? Geht die Müllverbrennungsanlage etwa als Kran? "Fernwärmekran" von Elke Schönberger. - © Elke Schönberger
Ein Halloweenkostüm? Geht die Müllverbrennungsanlage etwa als Kran? "Fernwärmekran" von Elke Schönberger. - © Elke Schönberger

Die Leere ausräumen

(cai) Treffen sich ein Japaner und ein Ungar . . . nein, das soll jetzt kein schlechter Witz werden, das ist vielmehr eine gute Ausstellung. Oder eigentlich sind es zwei gute Ausstellungen. Und deshalb hat jeder sein eigenes Revier in der artmark galerie.

Die Kunst von Norio Kajiura ist in den White Cube (den neutralen Galerieraum) fast perfekt hineingetarnt. Wie Schneehühner in die Winterlandschaft. Aber zum Glück eh nur fast perfekt. Sonst könnte man sie ja nicht sehen. "Ma - weißer Raum": lauter weiße Würfel. White Cubes im White Cube sozusagen. Und trotzdem nicht einfach Malewitschs "Weißes Quadrat auf weißem Grund" in 3D. Meditativ hat sich der Künstler in die Materie (Holz) versenkt. Hat Wege reingegraben für den Blick. Und Treppen. (Aufstiegshilfen zur Erleuchtung?) Leere hineingefüllt. Zwischenräume. Dieses "Ma" eben. (Das japanische Zwischen-den-Dingen.) Spirituelle Stiegenhäuser quasi. Meditationswürfel. Nebenan: ein Bankerl zum Ausruhen. Und was ist die Ruhe anderes als die Pause zwischen zwei Hektiken? Die verbringt man hier mit blassblauen, grazilen Pinselgesten. Immer zwei paaren sich tänzelnd miteinander, um nachher zu zweit allein zu bleiben oder sich zu einem Schwarm zu vermehren.

Das intime Format beherrscht Tamás Konok sowieso meisterhaft. In seinem "Microludium" (kleinen Spiel) spricht er fließend Geometrisch. Kombiniert er mit spielerischer Leichtigkeit Linien und Formen. Sparsam und präzise. Und mit Humor. "Deux accents": ein Raster mit zwei "übergewichtigen" Strichen. Bis vor Kurzem hat der 88-Jährige noch ein Atelier in Paris gehabt. "Aber dann konnte er den Wein nicht mehr rauftragen." (Galerist Thomas Mark.) Zu viel "Ma" zwischen den Flaschen und dem siebenten Stock.

artmark galerie
(Singerstraße 17)
Tamás Konok, Norio Kajiura
Bis 17. November
Do., Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Aquacalypse Now

(cai) Wasserscheu dürfte die Elke Schönberger jedenfalls nicht sein. Sonst wäre auf ihren Bildern doch wohl nicht so viel von dem nassen Zeug drauf, oder? Es handelt sich nicht um Aquarelle, nein. Die Technik ist Öl auf Leinwand. Die Gemälde würden also vermutlich nicht untergehen, wenn die sehr feuchten Phantasien, die auf ihnen dargestellt sind, tatsächlich wahr würden. Öl schwimmt nun einmal auf Wasser. Und Holz sowieso. Aus dem der Keilrahmen besteht.

Wien ist bekanntlich gleich drei Sachen auf einmal: Stadt, Land, Fluss. Und Letzterer will hier partout nicht im Bett bleiben, das man ihm gemacht hat. Die Wien erinnert sich plötzlich daran, dass sie eigentlich ein Wildwasser ist. Geht mit der U4 schwimmen. "Kagrantis": He, wie Atlantis. Nur halt ohne Atlantik. Dafür mit der Donau. In der ist offenbar Kagran abgesoffen. Na ja, nicht ganz Kagran. Die Donaucity. Okay, das ist bloß eine pittoreske Spiegelung im Wasser, über die zwei Schwäne beschaulich gleiten. Apropos wilde Tiere. Zebrastreifen haben ja schon früher die Fahrbahn überquert. Allerdings keine mit Hufen unten dran. Klimawandel? Oder aus dem Zoo ausgebrochen? Die Wildnis zieht in die Stadt.

Die Menschen sind aber trotzdem nicht ausgestorben. Sie warten noch immer auf die U-Bahn. Auf einem einsamen Felsen in der Brandung. Jahreskartenbesitzer? "Wiener Linien" heißt die Ausstellung übrigens (Galerie Lehner). Originell: eine Müllverbrennungsanlage als Baukran zu verkleiden. (Ach, ist ihre bisherige Tarnung als lustige bunte Kirche aufgeflogen?) Wie nennt man das überhaupt? Fotosurrealismus? Extrem sinnlich (und wirklich) schildert Schönberger Licht, Schatten, Reflexionen. Eine Sonnen- und Weltuntergangsromantikerin?

Schwarzmalerin ist das zumindest keine. Na gut, die Grundierung ist meist schwarz. Und eine ziemlich düstere Arbeit hat sogar den Titel "Schwarz". (Sonnenfinsternis über dem Mumok, dem Kunstbunker.) Doch ansonsten: die allerschönsten Farben. Außerdem geht Wien nicht unter. Nicht zu Fuß. Man wartet, wie gesagt, lieber auf die U-Bahn.

Galerie Lehner
(Getreidemarkt 1/8)
Elke Schönberger - Wiener Linien
Bis 6. November
Di. - Fr.: 14 - 18, Sa.: 10 - 13 Uhr