Der Meister und der Fernseher: Pablo Picassos (2. v. l.) Fenster zur Welt. - © Picasso-Museum
Der Meister und der Fernseher: Pablo Picassos (2. v. l.) Fenster zur Welt. - © Picasso-Museum

Málaga. Es gibt kaum etwas, das wir nicht über Pablo Picasso wissen. Hunderte kunsthistorischer Fachartikel wurden über den großen spanischen Maler (1881- 1973) verfasst. Im Internet finden wir zigtausende Einträge über den Mitbegründer des Kubismus und einem der wichtigsten Vertreter der Moderne. Er ist einer der wenigen Künstler, dem schon zu Lebzeiten gleich zwei Museen gewidmet wurden.

Auch dank seiner Arbeitswut - er hinterlässt uns fast 1900 Gemälde, 3200 Keramiken, 7000 Zeichnungen, 1200 Skulpturen und 30.000 Grafiken - kennen wir sein Werk und seine künstlerische Entwicklung in- und auswendig. Doch wie uns die Ausstellung "Picasso TV" im Picasso-Museum von Málaga zeigt, gibt es dennoch Aspekte seines künstlerischen Schaffens, die uns bisher unbekannt waren: Picasso liebte Fernsehen und holte aus dieser überraschend trivialen, aber damals neuartigen Quelle die Inspiration für viele seiner Werke.

Velázquez und "Zorro"


Wie groß der Einfluss von den Filmen und Nachrichtensendungen aus dem französischen Fernsehen zwischen 1966 und 1972 auf das Werk Picassos war, zeigt die Ausstellung im Picasso-Museum.

Vor allem sein Spätwerk, in dem er die Kunst der alten Meister neu interpretierte, wurde von dem heute sehr banalen, aber zur damaligen Zeit nahezu revolutionären Apparat beeinflusst. Kaum zu glauben, aber wahr: Neben El Greco, Velázquez, Rembrandt, Raffael und Michelangelo waren es ausgerechnet "Die drei Musketiere", "Der Zorro" und Catcher aus dem Fernsehen, die Picasso zu neuen Motiven inspirierten. Er liebte Abenteuer- und Degenfilme, Ringkämpfe und vor allem die französische Zirkusshow "La Piste aux Étoiles", wie auch viele seiner Zeichnungen zeigen.

Der exotische Indien-Streifen "Bengali" regte Picasso an, türkische Bäder mit aufreizend nackten Frauen zu malen. Ein Western hingegen inspirierte ihn zur Radierung "Fernsehen: Quäker, Rothaut und Kunstreiterin". Dass Picassos Spätwerk gleichzeitig von den alten Meistern und dem neuartigen Fernsehen inspiriert werden konnte, verwundert José Lebrero, Direktor des Picasso-Museums, nicht: "Wie bei den alten Meistern der Malerei tauchen auch in Picassos TV-Lieblingsserien und Filmen sehr klassische Motive wie das Fechten, Stierkämpfe, Pferde, Ringkämpfe im klassisch-römischen Stil oder der Streit um Frauen auf."