"Ob ich nun eine Klappmaulpuppe, eine Marionette, eine Stabpuppe oder eine andere Art von Objekt herstelle, ist abhängig von der metaphorischen Ebene. Die Form sagt bereits sehr viel über die Figur aus. Marionetten eignen sich beispielsweise hervorragend dafür, zarte, wehrlose Opfer darzustellen, die man am liebsten von den Fäden schneiden würde.

Täterfiguren hingegen haben etwas sehr Bodenständiges an sich; oft sind sie eng mit dem Körper der Spielerin verbunden, deren Hände zu denen der Puppe werden. Bevor ich eine Puppe baue, sehe ich mir zuerst die metaphorische Ebene an: Ist das ein Fetzen, ist das ein kleiner Mensch oder ein Automat, will ich, dass die Figur wächst, oder ist sie ein Teil einer anderen Figur? Man muss der Sprache auf den Mund kucken und sie Wort für Wort in Bilder umsetzen." | (Julia Reichert)

Geboren 1950 in München; Ausbildung zur Bibliothekarin, veröffentlicht 1979 den Lyrikband "Gedichte aus Asche"; einige Jahre mit Helmut Eisendle in Norditalien, Beginn des Baus mechanischer Figuren und Musikautomaten. Erste Ausstellung anlässlich des "Nihilistenkongresses" 1980 im Goethe-Institut in Triest.

Es folgen viele Ausstellungen; gründet 1989 gemeinsam mit Christopher Widauer das Kabinetttheater, das seit 1996 in der Porzellangasse beheimatet ist und das sie seit 2010 leitet. Tritt 2007 zum ersten Mal mit dem Stück "Für Elise. Dialog für 1 Stimme" als Theaterautorin/Puppenspielerin auf; 2012 hat das BMUKK Julia Reichert als Mentorin für den Bereich "Theater" im Rahmen des "Mentoring-Projektes 2012 der Kunstsektion" eingeladen.

Lebt und arbeitet in Wien.

Die Abbildungen dieser Seite stammen von Armin Bardel.

Siehe auch: www.kabinetttheater.at