• vom 17.05.2011, 16:54 Uhr

Kultur

Update: 17.05.2011, 16:55 Uhr

Sammler setzten bei der siebten Viennafair auf Bekanntes

Sparbuch an der Wand




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Performances als neuer, alter Trend.
  • Lange Gesichter bei Galeristen.
  • Wien. Zwar haben die Galerien aus dem Südosten Europas - voran die Rumänen, die schon einige Jahre zahlreich vertretenen Polen, aber auch die Slowenen und Ungarn - mit ihren Auftritten auf der Kunstmesse Viennafair gepunktet, rote Punkte, die den Verkauf eines Objekts anzeigen, gab es aber wenig zu sehen. Dafür lag bei Tengri-Umai aus Kasachstan ein nicht ausgerollter roter Filzteppich des Künstlerpaares Yelena und Viktor Vorobyev mit Symbolwert: Qualität ist nicht unbedingt ein Richtmaß in Wien, außer die Künstlernamen sind bekannt.

Obwohl junge Künstler zur Fotografie neigen, kommen Gemälde wie "Oblomow" von Franziska Maderthaner bei Sammlern immer noch am besten an. Foto: Galerie Wolfgang Exner

Obwohl junge Künstler zur Fotografie neigen, kommen Gemälde wie "Oblomow" von Franziska Maderthaner bei Sammlern immer noch am besten an. Foto: Galerie Wolfgang Exner Obwohl junge Künstler zur Fotografie neigen, kommen Gemälde wie "Oblomow" von Franziska Maderthaner bei Sammlern immer noch am besten an. Foto: Galerie Wolfgang Exner

Der Verkauf zeigt sich hier, trotz anspruchsvollem Programm der künstlerischen Leiter Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer, nur im Segment sicherer Kunstaktien erfolgreich. Sammler setzen vor allem auf ihnen Bekanntes, voran die Malerei, obwohl die Fotografie längst das Hauptmedium der jungen Kunst geworden ist. Das entspricht aber durchaus einem internationalen Trend, der Kunstwerke wie Sparbücher oder sichere Aktien betrachtet, die zusätzlich attraktiv an der Wand sind.


Risiko mit neuen Anlageformen will nach der Krise kaum einer eingehen, außer es handelt sich um preiswerte Angebote. Da ist dann zwar auch die Malerei vorne, bestimmte Fotografien können aber, wenn sie auf Aluminium zu Tableaus getrimmt sind und auffallende Inhalte haben, durchaus Renner werden. So bei der "plattform für junge kunst bäckerstraße 4" zu sehen, die primär Bilder von Matthias Lautner verkaufte, aber auch Borjana Ventzislavovas Aufnahmen Jugendlicher in "westlicher" kontra traditioneller Kleidung bekamen neben Aufmerksamkeit sogar Konkurrenz von Kaufwilligen.

Ironie ist im Spiel

Daneben sind bekannte Namen wie Altperformer Peter Weibel, den Grita Insam mit frühen konzeptuellen Arbeiten mit Erfolg anbot, dann schon wieder Ausnahmen, denn es ging um Fotodokumentationen von Aktionen und Zettel statt repräsentativer Flachware.

Die Messe war gut besucht, obwohl die Performances und Panels nicht die angestrebte Aufmerksamkeit erregten. Auch wenn dabei Ironie als neuer Trend im Spiel ist, fallen die als "living sculptures" ständig nahe der Berliner Galerie Mertens anwesenden "Eva & Adele", die schon einigermaßen in die Jahre gekommen sind, mehr auf als die jungen Aktivitäten. Das Alt-Aktmodell Pinki konnte in den Nachmittagsaktionen "Study from Nature 2" von Pawel Alhamer ebenfalls mehr Aufmerksamkeit erregen als die speziell für die "Performance Nite" konzipierten Auftritte.

Skulpturen, Objekte und Installationen gab es viele. Dass eine frühe Latten skulptur Erwin Wurms bei Welz schnell wegging, war dabei zu erwarten - weniger hingegen, dass der "Greenman" von Lois Weinberger bei Altnöder, gefertigt aus dem Naturmaterial Kletten, schnell einen Käufer finden würde. Nicht ein Museum sondern ein privater Sammler hat sich in die keltische Paraphrase des dämonischen Gottes Priapos verliebt.

Für viele Galeristen sah es aber bereits am Samstag so aus, dass nicht einmal die Standmiete hereinkommen würde. Daher gab es einige lange Gesichter, wenn das auch kaum nach außen dringt. Misserfolg ist relativ, und Kunst soll ja auch lust- oder humorvolle Töne anschlagen. Dabei haben die türkischen Galerien gepunktet, vor allem Outlet mit dem kurdischen Künstler ªener Özmen und seiner Fotoserie "Supermoslem". Selbstkritik hat Messegeschäftsführer Matthias Limbeck hatte ja schon vorher geübt: In Wien gab es keinen finanziellen, sondern nur einen geistigen Gewinn zu erwarten.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-05-17 16:54:40
Letzte Änderung am 2011-05-17 16:55:00


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