• vom 13.12.2006, 16:35 Uhr

Kultur


Das Mumok zeigt mit "Fokus 03" Werke zu "Konzept. Aktion. Sprache" - in der Factory werkt ein Sprachautomat

Lieber Milchkunst als Tafelbilder




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • In Ebene 3 ist als "Fokus 03" der Kuratoren Susanne Neuburger und Achim Hochdörfer Pop-Art, Fluxus und Konzeptkunst aus der Sammlung bereichert durch die "Learning Machines" von George Maciunas und die neu angekaufte Bibliothek der Sammlung Hahn.

Willem de Ridders "European Mail-Order Warehouse/Fluxshop". Foto: Rick Gardner/ de Ridder

Willem de Ridders "European Mail-Order Warehouse/Fluxshop". Foto: Rick Gardner/ de Ridder Willem de Ridders "European Mail-Order Warehouse/Fluxshop". Foto: Rick Gardner/ de Ridder

Der Übertitel "Konzept. Aktion. Sprache" spannt den Bogen weiter zur Ebene 1, die "Wien in den späten 50er- und 60er Jahren" unter dem Slogan Oswald Wieners "Schluss mit der Wirklichkeit" präsentiert. Astrit Schmidt-Burkhardt macht als Gastkuratorin den Versuch, die "Lagerräume für Wissen", ausgehend von der Kunst der Griechen und Römer, von Georg Maciunas zu vermitteln.


Die Manie des Fluxus-Initiators, Kunst mittels Diagramm darzustellen, wenngleich er auch als Fotograf, Performer und Organisator auftrat, ordnet die Wiener Aktionisten denn auch als neues Rokoko innerhalb der internationalen Szene ein.

Konzept im Koffer
Angesichts der üppigen Materialien bei Hermann Nitsch oder Otto Muehl hat man sich dem Phänomen bislang von der malerischen wie theatralischen Seite genähert. Michalka setzt nun aber auf die konzeptuellen Schwerpunkte, die er mittels Einbau der Wiener Gruppe gut einlösen kann. Dass so Kunstgeschichte umgeschrieben wird, macht er mit Carola Dertnigs akustischer Intervention und Installation im Vorraum klar, die auf historische Marginalisierung der Künstlerinnen im Wiener Aktionismus verweist.

Die Ebene 3 vereint die gemeinsamen konzeptuellen Strategien von Pop-Kunst und Fluxus und auch hier spielt die Architektur in Art von Supermarktkojen der Architekten Kühn Malvezzi, kombiniert mit der Grafik von Martha Stutteregger eine große Rolle für Inhalt und Präsentation.

Ganz unter dem Motto Lawrence Wieners stand es den Künstlern seit damals frei, ob sie die Kunstprojekte überhaupt noch ausführen oder im Stadium des sprachlich fixierten Konzepts beließen, das sie zuweilen in Schachteln oder Koffer packten und per Versand vertrieben. Damit es nicht zu trocken wird, sind auch die Brillokartons von Warhol oder die "Fallenbilder" Daniel Spoerris dabei.

Passend dazu ist die Factory besetzt von Peter Dittmers interaktivem Sprachautomat "Die Amme", der mit Besuchern in rhetorischen Schlagabtausch tritt. Angeblich soll er im Streit Milch nicht nur in ein Glas schütten.

Fokus 03

Konzept. Aktion. Sprache

Mumok, Ebenen 1 und 3

bis 23. September 2007

Peter Dittmer. Die Amme

Factory, bis 4. März 2007

Sprachperformance.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-12-13 16:35:41
Letzte Änderung am 2006-12-13 16:35:00


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