Sie eröffnen die Buch Wien mit einem Vortrag zum Thema "Wie umgehen mit Rechts". Wie kam das?

Es ist eines der drängendsten Themen überhaupt. Rechte Kräfte sind weltweit auf dem Vormarsch. Es gibt wieder eine auffällige Sehnsucht nach dem starken Mann. Wir müssen uns in irgendeiner Form positionieren. Aber wie? Philosophisch gesehen gibt es auf der einen Seite die deliberative Haltung, rechte Positionen gar nicht erst zuzulassen im demokratischen Diskurs, da sie der Vernunft widersprechen. Auf der anderen Seite steht eine radikale Demokratietheorie, die sich dafür einsetzt, darüber zu streiten, was vernünftig ist, und nicht manche Kräfte generell auszuschließen.

Doch das passiert vielerorts.

Es ist ein zentraler Grund, warum rechte Parteien derart viel Zulauf haben - nicht zuletzt, weil man es sich dann so bequem machen kann in der Opferrolle. Eine Demokratie kann sich nicht immunisieren, indem sie die Rechte von vornherein als regressiv und rückschrittig bezeichnet, während die Linke sich als Wächterin der Vernunft stilisiert. Gleichzeitig aber gilt es, wachsam zu sein. Faschisten haben kein Interesse an Demokratie. Sie haben auch kein Interesse am Diskurs. Man muss genau unterscheiden, ob eine wirkliche Bereitschaft zur Auseinandersetzung besteht - oder eben nicht.

Sie widmen sich als Chefredakteurin des "Philosophie Magazins" aktuellen Themen der Zeit. Erlebt die Philosophie eine neue Blüte?

Absolut. Krisenzeiten sind immer gute Zeiten für die Philosophie. Es gibt ein tiefes Bedürfnis, vermeintliche Gewissheiten und Weltbilder zu hinterfragen, zu erschüttern, um zu neuen Einsichten zu gelangen. Natürlich gibt es auch ein Bedürfnis nach Orientierung, Tiefenanalyse und Impulsen für ein freieres Dasein. Da setzen wir an - mit Erfolg, denn das "Philosophie Magazin" ist für ein breites Publikum geschrieben. Philosophie ist nicht elitär. Vielmehr wohnt sie als die große Frage nach dem Sinn von Sein tief in uns allen.