"Die Notiz ist besser als das Buch", befand Joseph Joubert (1754-1824) und ließ sein schweifendes Denken in 205 Notizbücher einfließen: Es sind Beobachtungen, Aperçus und Mikro-Essays über Kunst, Religion, Ethik, Politik - und über das komplexe Verhältnis von Sprache und Denken. Die erste Publikation der Notate in Buchform besorgte Chateaubriand ("Pensées"). 1938 gab Gallimard die bis heute maßgebliche Sammlung von André Beaunier ("Carnets") heraus. Eine Auswahl daraus hat ein späterer Notizbuchschreiber, Paul Auster, übersetzt ("The Notebooks of Joseph Joubert", 2005).

Nun hat der Verlag Jung und Jung ein weiteres Joubert-Brevier zusammengestellt: "Alles muss seinen Himmel haben" (Nachwort Paul Auster). Es präsentiert einen so scharfen wie subtilen Geist, dessen "umstandslose Brillanz" (Auster) Zeitgenossen ebenso fesselte wie etwa Walter Benjamin, Maurice Blanchot oder Elias Canetti.

Joseph Joubert, geboren in Montignac (bei Lascaux), studierte in Toulouse Jus und Altertumskunde. In Paris bestach er als Gesprächspartner und Freund von Größen wie Diderot, Chateaubriand, Restif de la Bretonne. Vom Lauf der Französischen Revolution enttäuscht, amtierte er in Montignac als Friedensrichter, ehe er ab 1793 bis an sein Lebensende zwischen Paris und Villeneuve (Burgund) pendelte.

Der Moralist pries "die kleinen Tatsachen" und geißelte ein "Wissen, das den Geist verstopft"; er fragte: "Hören Sie jene, die schweigen?" oder zog ironisch die Bremse: "Eine hohe Philosophie lehrt uns, nicht allzu philosophisch zu sein." - Schlagen Sie nach bei Joubert!