"Boy in a White Room" hat Karl Olsberg eine Nominierung für den Deutschen Jugendbuchpreis eingebracht. Darin erzählte er die Geschichte eines Jugendlichen, der sich plötzlich in einer virtuellen Welt wiederfand und am Ende draufkam, dass er in Wahrheit selbst eine Art Künstliche Intelligenz war. In "Girl in a Strange Land" spinnt er diesen Ansatz jetzt weiter: Die Menschheit hat sich in einer mittelnahen Zukunft fast komplett in die virtuelle Realität geflüchtet, nur einzelne Enklaven leben noch analog - das aber dafür umso fundamentalistischer. Eine davon ist das Stillachtal, in dem die Teenagerin Sophia sich erst verliebt und dann ihre neue Liebe Mirko wieder verliert, weil der Bursch bei Nacht und Nebel das Tal verlässt. In der Folge kommt Sophia nach eineinhalb Jahrzehnten der Indoktrinierung drauf, dass außerhalb der streng bewachten Grenzen nicht ein apokalyptischer Weltkrieg tobt, wie es die geistigen Führer die Talbewohner glauben machen, sondern dass Menschen dort in Frieden miteinander leben.

Doch nach der Flucht aus dem Stillachtal ist eine Rückkehr unmöglich. Und ob die für sie neue Welt, in der Sophia sich plötzlich wiederfindet, wirklich besser ist als die, in der sie bisher gefangen war, ist auch nicht so klar. Zudem muss Sophia um ihre Liebe kämpfen, weil Mirko längst ein Opfer der virtuellen Realität geworden ist. Karl Olsberg verbindet das ewige Thema von erster Liebe und Ausbruch aus Konventionen mit den Sehnsüchten, Versprechungen und Gefahren in Bezug auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Supercomputer. Wer sich dabei an "Matrix" erinnert fühlt, liegt vielleicht gar nicht so falsch - und auch von Actiongehalt und Szenerie her wäre "Girl in a Strange Land" durchaus für eine Verfilmung geeignet. Vor allem aber gibt das Buch viel Stoff zum Nachdenken.

Karl Olsberg: Girl in a Strange Land
Loewe; 335 Seiten; ab 14 Jahren; 15,40 Euro