Verena Roßbachers dritter Roman, "Ich war Diener im Hause Hobbs" (nach "Verlangen nach Drachen" und "Schätzen und Schlachten"), ist mit großem Kalkül gestaltet. Die Autorin riskiert das Spiel mit einer passiven Hauptfigur, die eigenschaftslos bleibt ("ich bin eine Schlaftablette, die nicht richtig wirkte" ist gleich mehrfach zu finden, als ob es diesen Befund für Lesende noch bräuchte).

Roßbacher braucht in diesem Roman allerdings solch einen wenig agilen Protagonisten, zumal sie einen üppigen Stoff zu erzählen sich vornimmt: Sie verknüpft die Entdeckung der Homosexualität mit einer Kunstmarktsatire, schafft ein Porträt des Zürcher Großbürgertums und entfaltet einen fast biblisch anmutenden Reigen erst erfolgloser, denn erschreckend erfolgreicher Vateridentifikation.

Elend des Landlebens

Auch das (ihr vertraute) Elend des Landlebens gestaltet die Autorin überzeugend aus. Feldkirch und einige Orte mehr in Vorarlberg - der Herkunft des Dieners - sind damit in der Literatur angekommen; Boten einer solchen Aufnahme in die Literatur gab es bereits einige, James Joyce, Stefan Zweig oder auch der weniger bekannte Nikolaus Martin. Als Grenze zur freien Welt war Feldkirch bei mehreren Kriegen - nicht zuletzt dem Zweiten Weltkrieg - der Weg in die Befreiung und manchmal leider nicht.

Der Erzähler Christian Kauffmann - eben jener Diener im Hause von Jean-Pierre und Bernadette Hobbs und deren Kindern Raphael und Aurelia - vermittelt das Geschehen retrospektiv. Als fester Bestand einer dandyhaften Viererbande, die sich erfolglos den Untiefen der Pubertät zu entziehen versucht, kämpfte er sich durch eine weder aufregende noch niederdrückende Jugend.

Mit Olli, Gösch und Isi werden stellvertretend Hesse und Zweig zitiert, als wären deren Texte der Olymp der Philosophie - und als wären diese vier juvenilen Denker somit die Hüter der Kultur. Zu der Erkenntnis, dass dies eben eine jugendliche Marotte war und die Manieriertheit vor allem dazu diente, die eigene Unsicherheit zu bemänteln, kommt Christian oder "Krischi" - wie er im unvermeidbaren Vorarlberger Dialekt genannt wird - relativ früh. Für die einschneidenden anderen Erkenntnisse, die das Leben der Clique bestimmen, bedrohen und schließlich auch für einen beenden, braucht er etwa 380 Seiten.

Die vier Freunde sind zudem Repräsentanten unterschiedlicher Lebensentwürfe wie sie für die 90er Jahre bis zu unserer Gegenwart exemplarisch sein können: Einer vegetiert in Berlin dahin, einer macht sich auf spirituelle Suche, einer übernimmt eine Drogenberatungsstelle und einer wird zum blinden Knecht des Großkapitals.