J.J. und El Greco leben in den USA, wo man sich gerade mit dem später legendenumwobenen Jahr 1968 auseinanderzusetzen hat: In Woodstock kommen unzählige Musikfreaks zusammen und zelebrieren einen Aufbruch, der auf Freiheit abzielt, die ruhig vage, sehr vage bleiben darf; für eine nachträgliche Qualifikation zum Woodstock-Veteranen reicht es allemal. Der Vietnamkrieg wird geführt, keiner weiß, warum, und zwischendurch geht es auch mal zum Mond, auf dem eine Landung stattfindet, von der versierte Verschwörungstheoretiker noch immer behaupten, sie habe gar nicht stattgefunden. Vor diesem Hintergrund erscheint es naheliegend, dass J.J. und sein über die Maßen kluger Freund El Greco schneller altern als gewöhnlich, was man ihnen aber nicht ansieht, zumal sie ihre Sehnsüchte und Träume pflegen, für die Amerika, dieses große, seinerzeit mit bemerkenswerten Idealen gegründete Land, nach wie vor der richtige Ort zu sein scheint, auch wenn die hässliche Seite einer Nation, die sich, damals wie heute mit Rassismus und einem allgegenwärtigen Waffenproblem herumzuschlagen hat, sichtbar wird. Das finden die Freunde auf einer Reise bestätigt, die sie entlang der Ostküste führt. Wunderschön und bisweilen auch schrecklich ist diese Reise, die bereits zur Erinnerung wird, als sie noch gar nicht zu Ende gegangen ist.

Die kleinen Dinge

Mark Thompson erzählt seine Geschichte ohne Schnörkel; zu guter Letzt aber überkommt ihn Wehmut, in die der Leser mit einzustimmen vermag. "El Greco und ich" ist ein schönes Buch, das etwas schwerfällig in Gang kommt, dann aber einen Spannungsbogen entfaltet, der sich an den kleinen Dingen des Lebens orientiert, die uns gerade dann berühren, wenn sie uns genommen werden und wir in einen Ruhewinkel geraten, der eigentlich für die Vergänglichkeit reserviert ist, mit der wir uns arrangieren können; es geht ja nicht anders. Ansonsten aber sollten wir bitte nicht mehr vergessen als unbedingt nötig.

Daran versucht sich auch der wenige Tage älter gewordene J.J. zu halten, dem sein Autor das vorläufig letzte Wort erteilt: In Meernähe "sitze ich oft, rauche (. . .) auf der Verladerampe, unbemerkt von allen außer den kreischenden Möwen und El Greco, der an den meisten Tagen zu mir herunterschaut, von den Wolken oder (. . .) dem Heck eines vorbeiziehenden Frachters. Manchmal beweine ich meinen Verlust, aus Angst um mich selbst und um ihn, aber inzwischen mache ich meistens unser Geheimzeichen. Ich will am Leben erhalten, so viel ich kann."