Am 20. Dezember 1968 starb der US-Autor John Steinbeck. Mit seinem Tod verlor das Land einen prominenten Zeitgenossen und
literarischen Großmeister. Im Laufe seiner Karriere war Steinbeck nicht nur als Verfasser von Romanen, Novellen und Kurzgeschichten erfolgreich gewesen, sondern hatte sich ebenso als Dramatiker, Journalist, Drehbuchautor und Essayist einen Namen gemacht. Längst waren seine populärsten Romane zu Standardwerken der modernen Erzählkunst geworden und hatten als Hollywood-Verfilmungen für Publikumserfolge im Kino gesorgt.

John Steinbeck wurde am 27. Februar 1902 im 150 km südlich von San Francisco gelegenen Salinas geboren. Die wohlhabende Kleinstadt trug den Beinamen "Salatschüssel der Welt", weil sie im Zentrum eines landwirtschaftlich fruchtbaren Anbaugebiets lag. Zu Beginn der Jahrhundertwende zählte sie 2500 Einwohner unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Dort hatten sich der deutschstämmige Finanzangestellte John Ernst Steinbeck und die irischstämmige Lehrerin Olive Hamilton zur Familiengründung niedergelassen.

Politisierung

Nach seinem Schulabschluss ging Steinbeck im Alter von 17 Jahren zum Literatur- und Journalismusstudium an die Stanford University. Obwohl er als Student voller Begeisterung war, behagte ihm die akademische Ausbildung nicht. Seine Studienjahre waren von Unterbrechungen geprägt, in denen er Gelegenheitsarbeiten in Bau, Industrie und Landwirtschaft verrichtete.

Zu jener Zeit lernte Steinbeck das Alltagsleben der besitzlosen Wanderarbeiter kennen. Nach dem Studienabbruch 1925 versuchte er sich erfolglos als Journalist in New York. Schon ein Jahr später kehrte er enttäuscht nach Kalifornien zurück und übernahm die Betreuung eines Ferienhauses am Lake Tahoe. Im abgelegenen Urlaubsort wollte der angehende Schriftsteller an seinem Romandebüt arbeiten.

Mit Carol Henning geriet John Steinbecks Leben und Denken in Bewegung. Die junge, aufgeweckte und politisch interessierte Frau war ihm bei einem Ausflug an den Lake Tahoe im Sommer 1928 begegnet. Steinbeck verliebte sich sofort und folgte ihr nach San Francisco, wo sie in der Werbeabteilung des "San Francisco Chronicle" beschäftigt war. Unter ihrem Einfluss kündigte sich ein Wandel in Steinbecks Schreiben an. War "Eine Handvoll Gold" (1929) als historisch-exotischer Abenteuerroman angelegt, öffneten sich seine neuen Schreibprojekte allmählich der kalifornischen Lebenswirklichkeit.

Nach ihrer Hochzeit im Sommer 1930 zogen Steinbeck und Henning zunächst nach Los Angeles und später ins Sommerhaus seiner Eltern bei Pacific Grove. Erst die Erlöse aus der Kurzgeschichtensammlung "Das Tal des Himmels" (1932) und den Romanen "Der fremde Gott" (1933) und "Tortilla Flat" (1935) ermöglichten es den beiden, ein Haus bei Monterey zu erwerben.