Max Brod im Jahr 1965. - © Archiv
Max Brod im Jahr 1965. - © Archiv

Er war Kafkas Jugendfreund, übte als Postjurist in Prag ein "Amt ohne Ehrgeiz" (Kafka) aus, er gab die Schriften des mit nur 40 Jahren verstorbenen Genies und Lebensmenschen posthum heraus - und er emigrierte 1939 buchstäblich in letzter Minute via Polen nach Palästina.

Geboren wurde Max Brod als Sohn eines Bankvizedirektors in Prag am 27. Mai 1884. Sein Bruder fiel dem Holocaust zu Opfer, so wie alle drei Schwestern Kafkas. Während er in der ČSR politische Funktionen im Jüdischen Nationalrat ausgeübt und Kontakte mit zionistischen Bewegungen geknüpft hatte, wandelte sich der leidenschaftliche Feuilletonist und Autor in Tel Aviv zum Musikkritiker und Regisseur im Habimah-Theater.

Sein Werk umfasst mehrere Dutzend Bücher, darunter zahlreiche Romane, die beim Göttinger Wallstein-Verlag allesamt neu aufgelegt wurden. Einer davon ist dem "Prager Tagblatt" gewidmet und erschien 1957 unter einem ganz anderen Titel, welcher eine Liebesgeschichte indizierte. Neben seiner früh verstorbenen Frau Elsa liebte Brod  Printmedien, vor allem Bücher, aber auch Periodika aller Art. Als Inbegriff eines frühen Literatur-Managers in eigener und fremder Sache reiste er von Verlag zu Verlag und ermöglichte seinem schüchternen Kollegen Kafka namhafte Publikationen. Für die Biografie Kafkas, für sein eigenes "Streitbares Leben" und die gewagten Texteingriffe in das fragmentarische Werk seines Freundes wurde er gescholten, doch er hat den Großteil der unpublizierten Prosa für die Nachwelt gerettet. Kein Archiv, kein Dachboden und keine ehemalige Partnerin hätte diese Texte frei geben können.

Max Brod, war ein Altösterreicher, der den "Prager Kreis" prägte und in den Fünfzigerjahren regelmäßig Lesereisen in seine frühere Heimat unternahm. Gestorben ist er vor 50 Jahren, am 20. Dezember 1968, als betagter, aber keineswegs seniler Mann - ganz anders als sein von ihm so verschiedener und doch kongenialer Freund Franz Kafka.