Gerhard Jaschke versammelt in seinem neuen Band "Gemischte Freuden" einerseits Spontanprosa mit wenigen Wörtern oder Sätzen, andererseits wohldurchdachte Notate, die an Philosophisches grenzen. Es sind Bemerkungen, Notizen und sogar Gedichte, die beispielsweise durch Zeitungsartikel ausgelöst wurden.

Im Gestus ist diese Prosa etwas Hingeworfenes, gleichsam eine seitenweise Aneinanderreihung von Prosaaquarellen, eine Sätze-Galerie. Wenige Texte reichen über eine Seite, und man kann in dieses Buch an beliebiger Stelle einsteigen, weil vom Autor keine Chronologie und auch kein roter Faden angestrebt werden.

In dieser Form, Jaschke hat bereits einige solcher Sätze-Bücher veröffentlicht, liegt auch die Meisterschaft des Autors. Wohltuend ist ebenso, dass er kein Tagebuch geschrieben hat, diese gibt es aus den Schriftsteller-Werkstätten schon zuhauf, manchmal sogar mit untalentierten Bleistiftzeichnungen.

Die Feststellungen zu seinem und unserem Leben sind beherzt, die Kommentare manchmal ironisch, jedoch nie bissig oder gar bitter. Jaschke reflektiert sein Leben als Künstler und eröffnet damit für den Leser eine besondere Perspektive. Er stellt sich als Invalide im Rentenalter dar und das ohne Lamento, macht seiner Frau "nach 37 Ehejahren am 17. März 2016" als "Gespons" poetisch Komplimente - oder preist das Gasthaus Pfudl in der Wiener Bäckerstraße auf seine ganz besondere Art.

Gerhard Jaschke protokolliert literarisch seine Freuden und kleinen Lebensgenüsse. Zum Ausdruck gelangt die große Begeisterung für anspruchsvolle Kunst: Einem kleinen Nachschlagewerk gleich, kommen seine Ausstellungsberichte und Künstlerpor-träts sowie die zahlreichen Erwähnungen von Schriftstellerkolleginnen und -kollegen aus der Wiener Szene. Auch Udo Jürgens und Bruno Kreisky werden angeführt.

Die "Gemischten Freuden" sind ein multiples Kompendium. Eine vorschnelle Klassifikation oder Kategorisierung lässt sich für dieses Buch nicht treffen, auch Autor und Verlag vermeiden dies. Mit Anagrammen, Aphorismen, Gedichten und kurzen (Prosa-)Texten reicht der Band aber weit über das hinaus, was sein Untertitel "Sätze" nennt. Er ist ein logisches Ergebnis des unverwechselbaren Universums Gerhad Jaschke, der in einer Person bildender Künstler, Herausgeber, Generalsekretär, Literaturgeschichtedozent und vor allem Schriftsteller war und ist. Nicht unerwähnt sei, dass er viele Kolleginnen und Kollegen mit auf sein "Freibord" genommen hat.

Das Buch klingt hoffnungsvoll aus: "Vieles kommt zu einem glücklichen Ende". Über den Ratschlag, "Gehen Sie die Dinge langsam an, / übertriebener Ehrgeiz lohnt sich nicht", sollte man in einer ruhigen Minute nachsinnen.