So vergnüglich und charmant geht es auch: das Spiel mit den Klischees. Murielle Rousseau, aufgewachsen in Paris, Journalistin und Inhaberin einer Medienagentur in Freiburg, betrachtet die überkommenen Vorstellungen von Frankreich und seinen Bewohnern durch die ironische Brille. Ihr kleines Abecedarium "Savoir-vivre. Leben wie eine Französin" gibt augenzwinkernd Einblicke in die traditionellen Rituale der Gallier, entführt auf einen launigen Streifzug durch hehre und populäre Institutionen oder macht mit volkssprachlichen Ausdrücken vertraut.

So erfährt der Leser beispielsweise, was die Wörter "poulets" (Hühner), "bouche" (Mund) oder der Name Quai d’Orsay noch bedeuten können; was die Anrede Mademoiselle signalisiert, wie das klassische Beruhigungsmantra der Handwerker lautet oder was es mit dem süßen Weihnachtsgebäck "bûche de Noël" auf sich hat.

Murielle Rousseau hat mit dieser Fibel auch eine kleine Hymne auf ihre Heimat verfasst, gewiss. Doch die 1966 geborene Autorin verschließt sich nicht den Krisen der Zeit. Und so verhehlt sie denn keineswegs ihre Sorge, wie die gern beschworene gallische joie de vivre (Lebensfreude) gegen äußere Umstände wie "hohe Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeiten, Unglücke, Terrorakte" auf Dauer zu verteidigen sein wird.