Ich habe mir eine Sprache erarbeitet, die zwischen Theater und Alltagssprache changiert. Ich habe mich an der Fernseh-Westernserie "Hatfields & McCoys", in der sich zwei Familienclans bis aufs Blut bekriegen, orientiert. Daraus wurde eine Mischung aus Shakespeares Prosa und einem ganz rauen Slang. Die Namen der handelnden Personen und vor allem den Kernsatz "Blut wird mit Blut bezahlt" habe ich beibehalten.

Der Wald von Birnam hat eine besondere Bedeutung in der zeitlosen Urfabel über Machtgier und die sich fortsetzende Gewalt. Wie haben Sie diese zweideutige Prophezeiung in Ihr Stück eingebaut?

Diese Rolle übernimmt die Lokomotive Bertha. Sie symbolisiert den industriellen und gesellschaftlichen Niedergang. Die Züge stehen still, nichts fährt mehr, für mich auch eine Kapitalismuskritik. Dabei dachte ich an die Bahnstation in Detroit. Die ehemalige Hochburg der Autoindustrie mutierte zur Geisterstadt.

Ihre Thriller wurden bereits fürs Kino adaptiert. Shakespeare-Verfilmungen dagegen sind oft eine heikle Sache. Sehen Sie Ihre moderne Variante auf der Leinwand?

Ich schreibe nie mit dem Gedanken an einen Film im Hinterkopf, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dieser "Macbeth" verfilmt wird. Es gibt zwar viele Filmversionen, die aber alle im 12. Jahrhundert spielen. Da wäre diese aus der Jetzt-Zeit sicher interessant.

Haben Sie eigentlich Einfluss auf das Casting?

Nein, mich interessieren mehr die Regisseure. Sie sind die Erzähler. Dabei ist mir schon wichtig, dass der Regisseur meinen Roman versteht. Aber der Film muss sich nicht eng ans Buch halten. Das kann als Inspiration genutzt werden. Hauptsache, es entsteht gutes Kino, wie etwa die Literaturverfilmung der beiden Coen-Brüder "No Country for Old Men", die auf auf Cormac McCarthys Roman beruht. Und Tomas Alfredson, der meinen Roman "Der Schneemann" verfilmte, ist für mich nach wie vor herausragend. Schließlich stammt die meisterlich inszenierte John-Le-Carré-Adaption "Dame, König, As, Spion" von ihm. Immer schafft man es eben nicht, seine Version zu realisieren.

Verkörpert Schauspieler Michael Fassbender, dessen Spezialität beunruhigende Charaktere sind, in "Schneemann" für Sie Ihren Protagonisten Harry Hole?

Nein, niemand kann das bisher. Ich habe leider noch keinen Schauspieler gefunden, den ich mir dafür vorstellen könnte.

Gibt es inzwischen Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Figur?

Es ist wahrscheinlich unmöglich, jahrelang so viel über einen Charakter zu schreiben, ohne einige Eigenschaften zu teilen. Wir haben den gleichen Musikgeschmack, dieselben politischen Ansichten und wir mögen ähnliche Dinge. Vor allem kann ich mich mit seinem Bedürfnis identifizieren, Zeit für sich zu brauchen, und mit dem Gefühl, gleichzeitig ein zynischer Analytiker und ein romantischer Narr zu sein.

Harry Hole liebt alles, angefangen von den Sex Pistols über Neil Young bis zu Duke Ellington. Sie haben im richtigen Leben Ihre erfolgreiche Band "Di Derre". Wie wichtig ist Ihnen heute Ihre Musik noch?