Gabriele Hasmann: "Habsburgs schräge Vögel - Extravaganzen und Allüren eines Herrscherhauses": Verlag Ueberreuter; 184 Seiten; 21,95 Euro
Gabriele Hasmann: "Habsburgs schräge Vögel - Extravaganzen und Allüren eines Herrscherhauses": Verlag Ueberreuter; 184 Seiten; 21,95 Euro

Maria Theresia, schreibt Gabriele Hasmann, habe während einer Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" nachgebildete Türkenköpfe aufgespießt. Ob solcher Islamfeindlichkeit der Erzherzogin stehen dem politisch korrekten Leser die Haare zu Berge, während den historisch gebildeten Leser das Gruseln überkommt: Denn nur als Gespenst kann die 1780 verstorbene Maria Theresia die 1782 uraufgeführte Mozart-Oper gesehen haben. Passt ja auch, immerhin hat Gabriele Hasmann, österreichische Autorin und, eigener Definition zufolge, Spukjägerin, zuvor das Buch "Die spukenden Habsburger" geschrieben.

Doch "Habsburgs schräge Vögel" will ein Sachbuch sein, also Fakten abhandeln - wenngleich kuriose, zugegeben. Was immerhin einen guten Teil des Lesevergnügens ausmacht. Und ein Lesevergnügen ist das Buch gewiss - nur ein nachhaltig getrübtes.

Zwar ergötzt sich der Leser an habsburgerischen Schrullen wie Eitelkeit, Hypochondrie, okkulten Praktiken und eigentümlichen Mischungen aus Geiz und Prunksucht, aber im Handumdrehen wird er nicht recht froh an dem Buch. Gabriele Hasmann springt nämlich zwischen den Gestalten hin und her, erzählt über diese zehn Zeilen, über jenen fünfzehn, dann wieder fünfzehn über diese und zehn über einen anderen, wiederholt hier etwas, führt es dort ein bisschen anders aus, bis man nicht mehr weiß, wen sie gerade durch den Kakao zieht mit gesucht saloppen und krampfhaft originellen Wendungen.

Irgendwie spiegelt schon das Coverfoto die Misere des Buchs: Das ist eindeutig eine Darstellung Kaiser Leopolds I. - aber aus unerfindlichen Gründen ist das Bild seitenverkehrt. Die Gestalt ist zwar zu erkennen, aber es passt sozusagen im Detail nicht.

Auf Seite 62 zuckt man dann freilich aus Geschmacksfragen zusammen: Maria Theresia umgibt sich mit "Liliputanern" - im Buch steht das Wort nicht unter Anführungszeichen. Da Maria Theresia wohl nicht diplomatische Beziehungen mit Jonathan Swifts Liliput aufgenommen hat, dürfte es sich um kleinwüchsige Menschen handeln - allerdings gilt "Liliputaner" als Schimpfwort für sie. Wenigstens die noch despektierlicheren "Zwerge" setzt Gabriele Hasmann unter Anführungszeichen.

Wenn dieses Buch nur nicht, allen Einwänden zum Trotz, so unglaublich vergnüglich zu lesen wäre . . .