Es ist eigentlich ein altes Motiv im Science-Fiction- und Dystopie-Genre: Eine herrschende Elite unterdrückt alle anderen, die irgendwann rebellieren und den Spieß umdrehen - oder es zumindest versuchen. Bei "Jori" von Martin Deininger sind es gewissermaßen Übermenschen, die diverse andere Spezies auf dem Stadtplaneten Indique nicht nur drangsalieren, sondern auch noch umbringen - bis ein Anschlag rebellischer Insektoiden die politische Elite auslöscht. Hier kommt Jori ins Spiel, die zwar zu besagter Elite gehört, aber dann eben die unvermeidliche Entwicklung hin zur Heldin der Geschichte durchmacht. Auf der anderen Seite steht ein machthungriger General, der das Chaos dazu nutzen will, seine eigene neue Weltordnung zu etablieren.

Das Schöne an Deiningers Roman ist, dass er mit 97 Seiten auskommt und dadurch unnötige künstliche Längen vermeidet. Im Gegenteil erzählt er seine rasante Geschichte, die irgendwann in einer fernen Zukunft spielt, kompakt und mit hoher Schlagzahl, wenngleich sein Erzählstil mitunter ein wenig in eine leicht sperrige Ziseliertheit abgleitet. Das passiert aber nur alle paar Seiten und stört den Lesefluss nicht. Umgekehrt würde man sich sogar bei manchen Passagen wünschen, der Autor hätte sie doch ein wenig ausführlicher ausgeführt. Allzu viel sollte man wahrscheinlich über etwaige Parallelen zur Gegenwart dabei nicht nachdenken - ein bisschen Stoff zum Nachdenken liefert die unterhaltsame Handlung aber schon.

Martin Deininger: Jori
Eigenverlag; 97 Seiten; 6,42 Euro