Amos Oz wünschte sich Frieden im Nahen Osten. - © ap/picturedesk.com/D. Balilty
Amos Oz wünschte sich Frieden im Nahen Osten. - © ap/picturedesk.com/D. Balilty

Jerusalem/Wien.(pat) "Als ich 14 war, rebellierte ich gegen die Welt meines Vaters. Ich änderte meinen Namen", sagte der Schriftsteller Amos Oz jüngst in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit". "Ich wollte werden, wie er nie gewesen war. Er war ein Gelehrter, ich wollte Traktorfahrerwerden. Er war ein Intellektueller, ich wollte Farmer werden. Er war ein Rechtsnationaler, ich wollte Sozialdemokrat werden. Er war ein kleiner Mann, ich wollte ein groß gewachsener Mann werden. Wie Sie sehen, ist mir nichts davon gelungen. Ich bin ein kleiner Mann und sitze hier in meiner Wohnung voller Bücher. Ich tue genau das, was mein Vater von mir wollte."

Amos Oz kam 1939 unter dem Namen Amos Klausner in Jerusalem als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine zur Welt. In einer hochgebildeten, rechts-zionistischen Familie wuchs er auf. Als Zwölfjähriger erlebte er den Selbstmord seiner Mutter mit. Das erschütternde Ereignis beschrieb er Jahrzehnte später in dem autobiografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" (2002). Mit dem Buch erlangte er Weltruhm; 2015 kam Natalie Portmans Verfilmung in die Kinos.

Drei Jahre nach dem Tod der Mutter zog er mit nur 15 Jahren in den Kibbuz Chulda und änderte seinen Familiennamen von Klausner zu "Oz", was auf Hebräisch Stärke bedeutet. Er habe damals mit der Namensänderung symbolisch seinen Vater umgebracht, schrieb Oz später, "um auf den Trümmern ein neues Leben aufzubauen". Auch sein erster Roman "Keiner bleibt allein" (1976) und das Buch "Unter Freunden" basierten auf Erfahrungen mit dem Leben in der Kollektivsiedlung.

Oz studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Literatur und Philosophie. Seit den 1980er Jahren lebte der Vater dreier Kinder und mehrfache Großvater in der Wüstenstadt Arad. Seine Werke wurden in 36 Sprachen übersetzt und mit einer ganzen Reihe von Preisen ausgezeichnet, darunter der Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1992). Auch wurde er regelmäßig als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt. Oz gehörte zu den wichtigsten israelischen Gegenwartsautoren. Zudem war er eine gewichtige Stimme in der israelischen Friedensbewegung. Der Autor war Mitbegründer der Bewegung Schalom Achschaw (Frieden Jetzt), die sich für eine Zweistaatenbildung und Versöhnung mit den Palästinensern einsetzt. Immer wieder kritisierte Oz die israelische Besatzungspolitik, betonte jedoch, kein weltfremder Pazifist zu sein und das Recht Israels auf Selbstverteidigung durchaus anzuerkennen. Den Krieg hat Oz am eigenen Leib erfahren: Als Reservesoldat in einer Panzereinheit kämpfte er im Sechstagekrieg 1967 und dem Jom-Kippur-Krieg 1973.

Für den Frieden in Nahost setzte er sich bis zuletzt ein und verglich den gegenwärtigen Krisenherd etwa mit den historischen Zerwürfnissen innerhalb Europas. "Nach 2000 Jahren des Blutvergießens und Mords hat Europa Frieden gefunden, wir - Juden und Araber - werden dafür weniger Zeit brauchen." Anlässlich seines 75. Geburtstags äußerte er in einem Interview den Wunsch, dass in dieser Region noch zu seinen Lebzeiten Frieden herrsche.

Dieses Ansinnen blieb ihm verwehrt. Am Freitag (28. Dezember) ist Amos Oz im Alter von 79 Jahren an Krebs gestorben.

Programmhinweis:

"Tonspuren: In memoriam Amos Oz",

So., 30. Dezember, 20.15 Uhr, Ö1