Friedrich Ani, Jg. 1959, wohnhaft in München, über dessen Bücher wir an dieser Stelle schon einige Male berichtet haben, ist vor allem als Krimiautor bekannt geworden, was seinen spezifischen Talenten aber nur bedingt gerecht wird. Ani konnte schon immer mehr; er hat Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke geschrieben, und auch als Lyriker ist er zu entdecken. Eine immense Produktivität scheint diesen Mann auszuzeichnen; manchmal kommt jedes Jahr ein Buch heraus, und keines war, wenn wir unserem Rückblick trauen dürfen, wirklich schlecht, ganz im Gegenteil.

Sein neuer Roman, "Der Narr und seine Maschine", von dem der Klappentext, merkwürdigerweise - und den Verkaufsintentionen des Hauses Suhrkamp zuwiderlaufend -, behauptet, dass er "an Finsternis nicht zu überbieten" sei, ist ein kleines Meisterwerk und vielleicht sogar, gerade wenn man nicht mehr so viel an Düsternis serviert bekommen möchte, Anis bisher bestes Buch. Erfreulich überschaubar im Umfang, lässt es, inmitten der gewohnten Hoffnungslosigkeiten, die unser Leben durchziehen, das einerseits lebenswert, andererseits aber auch leider nur die Zitat gewordene "Krankheit zum Tode" bleibt, Lichtblicke aufscheinen, für die es den genauen, nicht mehr am Vordergründigen verhakten Hinblick braucht.

Kein Grund für Glück

Als diensthabender Ermittler tritt Tabor Süden auf, ehemaliger Polizeibeamter und Privatdetektiv, der im Lauf der Zeit nicht unbedingt gesprächiger geworden ist und eigentlich schon immer einer nach innen gekehrten Vorruhestandsmentalität anhing, in der man sich einrichten, keinesfalls aber glücklich werden kann. Glücklich ist ohnehin keiner in Anis Büchern; es gibt, wie der Autor weiß, auch keinen Grund dafür, obwohl man sich versehentlich schon mal mit Zufriedenheit bedacht sieht, auf die man spontan an- oder aufstoßen sollte, denn sie wird sehr schnell widerrufen.

Tabor Süden ist ein Spezialist für Vermisstenfälle, was auch da-ran liegen mag, dass er sich schon immer selbst gern abgesetzt hätte, grußlos und ohne Wiederkehr. Ein letzter Auftrag erreicht ihn, dem aber vermutlich noch ein oder zwei weitere letzte Aufträge folgen werden: Süden soll den verschwundenen Exschriftsteller Georg Ulrich finden, der in Wahrheit Cornelius Hallig heißt: "Georg Ulrich klang für ihn wie ein einfacher Name, echt und unauffällig, fast zu gewöhnlich für einen bedeutenden Kriminalschriftsteller. Drei oder vier Romane hatte Süden von ihm gelesen und den einen oder anderen verliehen."