Nach der Lektüre von Tom Wolfes Buch "Die Helden der Nation" wollte der junge Scott Kelly ins All fliegen. In "Endurance. Mein Jahr im Weltall" blickt der Astronaut auf sein Leben zurück, wodurch ein faszinierender Blick auf die Welt von oben entsteht.

Der Amerikaner berichtet von seiner Ausbildung und Arbeit als Militär- und Testpilot, bevor er vier Mal ins All flog. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht eine komplexe Annäherung an eine Persönlichkeit, die tiefe Einblicke in die Arbeit eines Astronauten sowie das Miteinander im All und auf der Weltraumstation ISS gibt. Das Tägliche wie Sport treiben und das Besondere wie ein Weltraumspaziergang gehören zu dieser besonderen Welt, in der Vertrauen und Verlässlichkeit an Bord überlebenswichtig sind und vorbeifliegender Schrott zur existenziellen Bedrohung wird. Offen spricht der Nasa-Astronaut, der 520 Tages seines Lebens im Weltall verbracht hat, auch über die Schattenseiten dieses Berufes.

Seine minutiösen Beschreibungen sind Stärke und Schwäche zugleich. Denn so ausführlich Scott Kelly seinen einjährigen Aufenthalt auf der ISS schildert und dadurch sympathische Nähe erreicht, so ermüdend wirkt diese Detailverliebtheit in anderen Kapiteln, wenn er über seine Einsätze, die technischen Abläufe und sein Verhältnis zu den jeweiligen Crews spricht. Glücklicherweise überwiegen die spannenden Eindrücke, die einmalige Blicke auf die Erde beinhalten und gleichzeitig Mahnung sind, diese Schönheiten zu erhalten.