Das Haarsträubende dessen, was sich in Österreich zwischen März 1938 und Mai 1945 abspielte, wird man nie ganz verdauen und unter "Geschichte" ablegen können, wie die Zeiten davor oder danach. Das wird nicht zuletzt von Berichten unterstrichen, in denen etwas gerade noch einmal gut ausgegangen ist, wie es bei dem vorliegenden Band der Fall ist.

Die junge Wiener Autorin Anna Goldenberg erzählt die Geschichte ihres jüdischen Großvaters Hansi, damals siebzehn Jahre alt, der auf eine geradezu bilderbuchmäßig eindrückliche Weise gerettet wurde - von einem Herrn namens Josef Feldner, der nach dem Krieg, als es nicht nur für Hansi, sondern auch für ihn selber gut ausgegangen war, so gar kein Interesse zeigte, für seine zweieinhalb Jahre währende Heldentat irgendwie belobigt zu werden, etwa durch eine Ehrung in der Gedenkstätte Yad Vashem. Derart sentimentale Gesten, so erfahren wir, seien ihm zuwider gewesen.

Nicht nur der Großvater ist sein ganzes restliches Leben nicht wirklich über diese Frage hinweggekommen, auch seine Enkelin arbeitet sich schreibend an diesem Rätsel ab. Warum war das so? Wie erklärt man sich, dass so viele nicht geholfen haben, im Gegenteil, gerade dieser eine aber in einem solchen, für ihn selber akut lebensgefährlichen Ausmaß? Und auch als Leser gerät man in ein letztlich zielloses Rätseln und Sinnieren hinein, über Mut und Anstand und dergleichen Dinge, und kommt damit an kein Ende.

Das liegt in der Natur der Sache, dem Schauerlichen, wozu der Mensch offenbar imstande ist, und dem Vorgang, wie so viele sich dann im Schauerlichen, in einem Klima der Todesangst als Alltag einrichten, weil es eben nicht anders geht. Das und einiges Weitere bereitet die Autorin für uns auf.

Die Art und Weise, wie sie angesichts dessen, was sie erzählt, sozusagen die Ruhe bewahrt, ist beeindruckend. Das dürfte sehr viel schwieriger sein, als es anhand des fertigen, rundum gelungenen Buches erscheint.