Das Format des Erzählungsbandes hat altbekannte Stärken wie Schwächen: Es ermöglicht Vielstimmigkeit, Multiperspektivität und stilistische Experimente. Zugleich leiden Erzählungsbände oftmals am Problem der Zusammenhangslosigkeit; sie sind wie eine Puzzle aus vielen, allzu vielen Teilen, das der Leser zusammensetzen soll zu einem erzählerischen Ganzen. Das allerdings gelingt nicht immer, weil die Texte eben kein abgerundetes Kunstwerk ergeben, sondern lediglich zusammengewürfelt wurden, um die Wartezeit auf den nächsten Roman zu überbrücken.

Und just das Problem, dass man nicht genau weiß, was das Ganze bedeuten soll, betrifft auch Ulf Erdmann Zieglers Sammlung "Schottland und andere Erzählungen". Vierzehn Texte unterschiedlicher Länge, von drei bis dreißig Seiten, sind darin enthalten, in denen zumeist notwendigerweise nur kurze Skizzen entworfen werden, Beschreibungen von signifikanten Augenblicken im Leben von Figuren, die so schnell wieder verschwunden sind wie sie auftauchen vor dem Auge des Lesers. Allerdings werden auch detailliertere Erzählszenarien entworfen.

Ziegler springt vom Lokalen, seiner hessischen Wohngegend, über das Nationale ins Globale - Stockholm und Detroit etwa sind Handlungsorte. Der längste Text ist jener, der dem Band seinen Titel gab. Will sagen: Die Erzählung heißt "Schottland und andere Erzählungen". Doch mit dieser stilistischen Spielerei ist der Einfallsreichtum der Geschichte schon erschöpft: Eine israelische Balletttänzerin hat es zu einem Engagement in die schottische Küstenstadt Dundee verschlagen, ausgerechnet zum Zeitpunkt der Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit. Unvorbereitet wird sie in die kontroversen Diskussionen über den schottischen Nationalismus und Fragen der Identität hineingerissen. Auch ihre sexuelle Identität wird herausgefordert. Dann bricht der Text ab. Zieglers Band ist vor allem für Liebhaber solcher offenen Enden zu empfehlen.