Im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm findet sich unter "Amtmännin" ein Hinweis auf die gehobene soziale Stellung ihrer Familie. - © Archiv
Im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm findet sich unter "Amtmännin" ein Hinweis auf die gehobene soziale Stellung ihrer Familie. - © Archiv

Ein gängiges Vorurteil lautet: Wörterbuchautoren sind staubtrockene, nicht besonders einfallsreiche Menschen, wer Wörter sammelt, ist eben ein Erbsenzähler. Die Wahrheit sieht anders aus. Einige haben sogar persönliche Botschaften in den nüchternen lexikalischen Angaben versteckt.

Wie schreibt man es richtig? Woher kommt das Wort? Wie wird es verwendet? Wer es genau wissen will, schlägt in einem Wörterbuch nach. Dort findet er das Gesuchte: auf engstem Raum, stark komprimiert und ohne Schnörkel.

Aber das war nicht immer so, früher war es durchaus üblich, ein kleines erzählerisches Element in die nüchternen Erklärungen einzubauen. Dies diente manchmal auch dazu, sich gesellschaftspolitisch zu deklarieren oder seine soziale Herkunft anzudeuten. Schöne Beispiele finden sich in dem "Bayerischen Wörterbuch" von Johann Andreas Schmeller (1785-1852). Dieser gilt als Begründer der modernen Mundartforschung. Das Werk ist auch für österreichische Dialektforscher von großem Wert, denn Österreich und Bayern sind Teile eines gemeinsamen Mundartraumes - das Alemannische einmal ausgenommen.

In Schmellers mehrbändigem Werk finden wir eine Eintragung, die zeigt, dass das Wort "Vater" damals nicht nur zur Bezeichnung eines Verwandtschaftsverhältnisses diente, und dass der Wörterbuchautor bei Begegnungen einen wohlsituierten Eindruck machte.

Geist der Aufklärung

",Is’s nét so, Vatta’?‘ spricht mich am 4. Juny 1843 [. . .] in der Wirthsstube des Tülljägers im Forstenriederpark ein mir ganz unbekannter alter Bauer an. ,Guat’n Abmd, Vatta‘!‘ grüßt mich auf der Waldtreppe von Ebenhausen nach Scheftlarn hinab ein jüngerer. Das sei die Courtoisie, der man sich gegen etwas vornehmere Unbekannte zu bedienen pflege, erklärt mir Herr Hagen, der Besitzer des jetzigen Badplatzes Scheftlarn, der mich am 5ten, wo wegen unablässigen Regens an ein gemüthliches nach Hause Gehen nicht zu denken ist, in seinem Wagen mit heimkommen läßt."

Nach den heutigen Gepflogenheiten der Wörterbuchmacher würde die Eintragung ganz nüchtern so klingen: Vater, der: 1. Mann, der ein oder mehrere Kinder gezeugt hat 2. höfliche Anrede gegenüber einer höher gestellten nicht näher bekannten Person.

An anderer Stelle prangert Schmeller, der schon als Jugendlicher von den Ideen der Aufklärung geprägt und von der Französischen Revolution beeindruckt war, eine falsch verstandene Aufklärung an: Unter "Figur" - gemeint ist das Standbild eines Heiligen, das in einer Nische oder am Wegrand steht bzw. bei Prozessionen herumgetragen wird - liest man: