Wien. Der Krimi war nicht in Maria Publigs schreibenden Schoß gelegt. Dennoch ist er im Moment das literarische Aushängeschild der Juristin und Musikwissenschafterin. Maria Publig - das ist die Frau, die 1981 mit "Mozart - Ein unbeirrbares Leben" und 1999 mit "Richard Strauss. Bürger - Künstler - Rebell" Furore gemacht hat, mit diesen glänzend unbequemen Büchern aber im Kreis der klassischen Musik, ihrer Liebhaber, Ausübenden und Studierenden, geblieben ist. "Waldviertelmorde" ist im Vorjahr zu einem Bestseller der österreichischen Regionalkrimis geworden. Wobei Maria Publig nach dem Prinzip vorgeht, mit dem Speck Mäuse zu fangen: Die Krimihandlung dient ihr dazu aufzuzeigen, auf welche Weise voneinander scheinbar unabhängige Probleme in Wahrheit miteinander verflochten sind.

So dreht sich auch ein Gespräch mit Maria Publig nicht einfach um ein zentrales Thema: Die Autorin weiß ganz genau, was wo hineinspielt, welche Mechanismen am Werk sind. Sie ist nicht nur genaue Beobachterin, sondern auch unbestechliche Analytikerin. Und sie ist eine fabelhafte Stilistin. Ein so atmosphäredichter und ohne literarische Prätention geschriebener Roman wie "Waldviertelmorde" ist auch literarisch bemerkenswert.

Probleme erzählen

Was Maria Publig getrieben hat, das ihr eigene Gebiet des musikwissenschaftlichen Sachbuchs zu verlassen? - Sie hat sich geärgert: über das Herunterspielen von Burnout etwa und über den Konsumwahn unserer Gegenwart. Sie wollte darüber schreiben - nur in welcher Form? "Heute", sagt sie, "ist alles Krimi. In meiner Jugend war es noch anrüchig, die Scherz-Krimis zu lesen, aber irgendwie waren die Bücher mit den schwarz-weiß gestreiften Rücken schon sehr verlockend." Ihr erster Krimi war eine Strandlektüre.

Mittlerweile ist auch bei deutschsprachigen Autoren angekommen, dass spätestens seit Agatha Christie und Ruth Rendell ein Krimi mehr sein kann als eine Mörderhatz, nämlich eine Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Probleme, die sich einer breiten Leserschaft eben besser durch eine spannende Handlung als durch wissenschaftliche Arbeiten vermitteln lassen. Das erste Ergebnis ist "Waldviertelmorde": Mit scheinbar leichter, ironischer Hand schreibt Maria Publig darin über die PR-Agentin Walli Winzer, die vor einem drohenden Burnout ins Waldviertel flüchtet, in eine Gegend, die die gebürtige Wienerin genau kennt. Doch das scheinbare Paradies der Ruhe entpuppt sich als Mördergrube.

Dem Gmeiner-Verlag streut Maria Publig Rosen: "Es ist toll, dass sie mir so freie Hand gelassen haben. In anderen Verlagen wird man zu Tode lektoriert, damit der Text möglichst stromlinienförmig ist. Bei Gmeiner hat man mir meine Eigenheit belassen." Nur um zwei Episoden musste sie kämpfen, aber als man ihre Argumente verstanden hatte, wurden auch sie akzeptiert. "Das Buch ist in der Form, in der ich es haben wollte", sagt Maria Publig.

Für 13. Februar ist "Killerkarpfen" angekündigt. Wieder dreht sich der Krimi um Walli Winzer. Sie will einen Garten anlegen, bloß fehlt ihr ein grüner Daumen. Sie braucht Hilfe. Und dann liegt ein Toter in ihrem Gemüsebeet.

Ob sie beim Krimi bleiben wird? - "Mal sehen", antwortet Maria Publig. Schließlich kann man so vieles in Krimis abhandeln. Als Krimi-Fan würde man es sich wünschen.