Adrian, der Antiheld dieses Romans, ist Werbetexter. Er lebt mit der Schriftstellerin Anna Liebmann zusammen, hadert ein wenig mit sich und der Welt, hängt vor allem an Anna, die nur durch seine Augen und ihre Textnachrichten an ihn geschildert wird, als mit Worten Spielende und etwas seichte Weisheiten Sendende, wie: "Smileys haben kein Rückgrat".

Der leicht depressiv wirkende Adrian also wird durchs Leben geschoben, scheint wenig Interesse an seinen Mitmenschen zu haben. Lust- und freudlos stolpert er von einer Veranstaltung zur nächsten, wird von Leuten angesprochen, die sich aus nicht näher erläuterten Gründen für ihn interessieren. Sein einziges Augenmerk gilt Anna, die er offensichtlich bewundert. Die Autorin stattet ihre Pro-tagonisten wie selbstverständlich mit Facebook (hier unter dem Tarnnamen Panopticon), Smartwatch und Smartphone aus und zeigt damit ihre Intentionen, eine aktuelle Gesellschaft zu zeichnen.

Nach einer ersten Vorstellungsrunde aller Teilnehmer folgt Adrian im zweiten Teil seinem nächsten Auftrag, der ihn in ein Smarthome befördert, über das er einen Werbeslogan entwickeln soll. Das mit Kameras, sprechenden Spiegeln und Schrittzählern ausgestattete Multifunktionshaus zieht ihn in seinen Bann und stößt ihn gleichermaßen ab. Hier schlägt er die ihm vorgeschriebene Aufenthaltszeit tot und driftet zunehmend in Richtung Wahnsinn ab, trifft etwa auf die Figur Beier, bei der man erst nicht weiß, ob sie real ist. Er erhält regelmäßigen (von der Smartwatch registrierten) Besuch von einer Katze und einem Buben und erleidet schließlich bei seinem Ausflug in die Stadt einen kleinen Nervenzusammenbruch - als Folge der permanenten Überwachung. Der Leser wird anfangs über den genauen Sachverhalt des Aufenthalts im Smarthome im Unklaren gelassen, und eigentlich stellt sich diese Frage auch gar nicht. Doch Stallhofer liefert praktischerweise eine Erklärung mit: der Roman gleichzeitig als dessen Interpretation, die der Geschichte am Schluss eine interessante Wendung verleiht.

Auch wenn die Charaktere nicht gänzlich ausgereift erscheinen, handelt es sich hier um ein ambitioniertes, poetisches Erstlingswerk zu einer komplexen Thematik.