Die Zyklen, in denen die Fortsetzungsserie organisiert ist (mit Heft 3000 beginnt der 42. Zyklus "Mythos"), nennt der Autor als einen der Erfolgsfaktoren. "Es ist am ehesten vergleichbar mit einer avancierten zeitgenössischen Fernsehserie. Wir haben auch ein ähnliches System mit Exposéautoren, die den Showrunnern im TV entsprechen. Ich glaube, der Fortsetzungscharakter ist ganz entscheidend für die Leserbindung."

Enges Korsett für Autoren

Die einzelnen Folgen werden wegen der wöchentlichen Erscheinung parallel geschrieben, und diese Überlappungen gilt es zu steuern. "Wir haben sechs Leute, die mehr oder weniger mit der Wahrung der Kontinuität und den Anschlüssen beschäftigt sind", erzählt Lukas. "Und selbst da passieren uns immer wieder kleine Fehler. Zum Beispiel haben wir es vor ein paar Jahren einmal geschafft, dass zwei verschiedene Galaxien dieselbe Hauptfigur hatten." Dabei haben sich in 58 Jahren die Kommunikationsmöglichkeiten massiv verbessert: "Wir können heute leicht telefonieren oder mailen - das konnten unsere Vorgänger nicht, die haben einander Briefe geschrieben, weil das Telefonieren zu teuer war."

Lukas berichtet von Kollegen, die nach ein paar Romanen wieder aufgaben, weil ihnen das Korsett zu eng war, in dem sie sich bewegen mussten. Er zieht einen Sportvergleich: "Eine Schriftstellerkarriere im herkömmlichen Sinn ist eher wie Tennis, aber ‚Perry Rhodan‘ ist Fußball. Es ist ein Mannschaftsspiel. Du musst auch manchmal in den sauren Apfel beißen und die mannschaftsdienlich die Lunge aus dem Leib rennen, obwohl es dir selbst gerade nicht viel bringt. Das muss man aushalten."

Sein Autorenkollege Michael Marcus Thurner, der zweite Österreicher bei "Perry Rhodan", meint auf seiner Website: "Ich bin ein richtiger Sturschädel, ich erledige Sachen meist alleine und mag es nicht, mir von anderen Leuten helfen zu lassen. Ich bilde mir meine Meinung ganz alleine im stillen Kämmerchen. Ich bin introvertiert und schüchtern, aber auch abweisend. (...) All die (Un-)Tugenden trage ich heute noch in mir. Aber ich habe beim Autorenteam die verdammt nochmal besten Kollegen gefunden, die man sich nur vorstellen kann. (...) Im Autorenteam konnte ich meine Persönlichkeit festigen und an meinen Schwächen arbeiten."

Und er stellt fest: "Eigentlich sollte man als ‚Perry Rhodan’-Autor Raumschiffingenieur, Astronom, Arzt, Waffentechniker, Geologe, politischer und militärischer Stratege und so vieles mehr sein." Er erinnert sich an Stunden, die er mit Recherchen zu Aufbau und die Funktion von Körpergelenken verbrachte - für letztlich eineinhalb Sätze, in denen das Thema dann im Roman erwähnt wurde.

Vom Schundheft zum Kult

Für "Perry Rhodan"-Neulinge wäre übrigens laut Lukas Band 3000 der ideale Einstieg: "Es empfiehlt sich, am Beginn eines neuen Zyklus - also in der Regel mit einem Hunderter-Heft - zu starten." Das nötige Basiswissen gibt es online in der "Perrypedia". Lukas selbst musste nach dem Einstieg als 13-Jähriger zweimal aussetzen: "Auf der Liste, was man als Jungfamilie einsparen kann, ist zu meinem Leidwesen dann halt auch ‚Perry Rhodan‘ gestanden. Mir hat aber der schräge Wiedereinstieg dann auch sehr gut gefallen, weil ganz vieles komplett neu war."

Ihm ist übrigens zu verdanken, dass heute auch der jeweilige Autor auf dem Heftcover genannt wird. "Gleichzeitig haben immer weniger Pseudonyme benutzt." Er erklärt das mit dem Wandel vom Schundheft zum Kult - was sich auch in den Verkäufen ausgewirkt hat. Im Bereich Science Fiction sind mitunter Platz 1 bis 15 der Bestsellerlisten durchgehend von "Perry Rhodan"-Produkten besetzt. Auch, weil sich die Serie inzwischen namhafte Autoren leisten kann. Das kommt auch den übrigen Schreibern zugute, meint Lukas: "Keine vergleichbare Publikation zahlt auch nur annähernd so gut."