Gealtert sind freilich die Leser. Übrigens ist bis heute nicht erforscht, wer die Hefte kauft. "Wir wissen noch immer nicht viel über unsere Leser", gibt Lukas zu. "Diejenigen, mit denen wir in Kontakt sind, sind ein paar tausend Leute - wir verkaufen aber jedes Heft in einer sechsstelligen Auflage." Es gibt natürlich einen harten Kern: "Ich kenne Leute, die mehr über die Serie wissen als alle, die professionell damit befasst sind, zusammengenommen. Denen kannst du ein Zitat aus zwei Zeilen sagen, und die nennen Zyklus, Bandnummer, Titelbild und handelnde Figuren."

Unverfilmbarer Mammutstoff

Einer der bekanntesten "Perry Rhodan"-Fans ist Harald Lesch, der laut eigener Aussage wegen der Serie Physik studiert hat. Eine andere Physikerin, Verena Temsen, sorgt als Chefwissenschafterin dafür, dass die Serie bei aller Fiktion plausibel bleibt. Dabei sind "Star Trek" oder "Star Wars" im Vergleich zu "Perry Rhodan" Kindergeburtstage. Das beginnt schon bei den Raumschiffen, die hier um Welten riesiger sind als in allen anderen großen Serien. Was auch einer der Gründe sein dürfte, dass "Perry Rhodan" so schwer zu verfilmen ist. Selbst der 2011 verstorbene Filmproduzent Bernd Eichinger ("Das Boot", "Die unendliche Geschichte" etc.) hat seine Filmrechte nie eingelöst. Seit dem Flop von "SOS aus dem Weltall" (1967) auf der Leinwand gab es nur einen ernsthaften "Perry Rhodan"-Film: "Unser Mann im All" (2011) ist allerdings eine Dokumentation. Überlegt wurde eine Zeichentrickserie, aber auch die würde durch das Ausufern der Erzählung auf große Schwierigkeit stoßen, meint Lukas. "Es wäre jedenfalls unmöglich und auch nicht sinnvoll, am Beginn einzusteigen und alle 41 bisherigen Zyklen zu erzählen."

Die Zyklen, in denen die Fortsetzungsserie organisiert ist (mit Heft 3000 beginnt der 42. Zyklus "Mythos"), nennt der Autor als einen der Erfolgsfaktoren. "Es ist am ehesten vergleichbar mit einer avancierten zeitgenössischen Fernsehserie. Wir haben auch ein ähnliches System mit Exposéautoren, die den Showrunnern im TV entsprechen. Ich glaube, der Fortsetzungscharakter ist ganz entscheidend für die Leserbindung."

Enges Korsett für Autoren

Die einzelnen Folgen werden wegen der wöchentlichen Erscheinung parallel geschrieben, und diese Überlappungen gilt es zu steuern. "Wir haben sechs Leute, die mehr oder weniger mit der Wahrung der Kontinuität und den Anschlüssen beschäftigt sind", erzählt Lukas. "Und selbst da passieren uns immer wieder kleine Fehler. Zum Beispiel haben wir es vor ein paar Jahren einmal geschafft, dass zwei verschiedene Galaxien dieselbe Hauptfigur hatten." Dabei haben sich in 58 Jahren die Kommunikationsmöglichkeiten massiv verbessert: "Wir können heute leicht telefonieren oder mailen - das konnten unsere Vorgänger nicht, die haben einander Briefe geschrieben, weil das Telefonieren zu teuer war."