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"Wir glauben heute, dass ein Gebäude nichts weiter zu sein habe als eine gut funktionierende Maschine, ein Gebrauchsgegenstand wie ein Auto, oder bestenfalls eine Kapitalanlage wie eine Industrieaktie. In Wahrheit aber kann man Haus und Mensch ebenso wenig voneinander trennen wie eine Schnecke von ihrem Gehäuse. Sie sind eine Einheit auf Leben und Tod. Der Wohntrieb trennt den Menschen von übrigen Geschöpfen der Natur."

Nachzulesen auf dem Klappentext der Neuauflage von E. W. Heines Buch "New York liegt im Neandertal", das erstmals 1984 erschienen ist und nun um das Kapitel "Der virtuelle Raum" erweitert wurde, kann diese Feststellung wohl bei dem einen oder anderen Leser Stirnrunzeln hervorrufen. Denn sicher und gemütlich wohnen im weitesten Sinn wollen auch viele Tiere – denn ist das kunstvolle Nest eines Webervogels oder der weich ausgepolsterte Bau eines Kaninchens nicht vergleichbar mit der gemütlichen Wohnung des Menschen? Der Architekt und Schriftsteller E. W. Heine hat detaillierte Gedanken zur Architektur als Ausdruck des Menschseins: Von der Höhle bis zum Wolkenkratzer, jede Epoche hat ihren Stil, deren Bauwerke (sofern erhalten) als Zeugen ihrer Ausdruckskraft dienen.

Heine zeigt sich großteils als durchaus interessanter Führer durch die Geschichte der Architektur, doch sein Umgang mit historischen Fakten ist oft fragwürdig: So ist etwa lange erwiesen, dass die Neandertaler nicht vor 60.000 Jahren verschwanden, und die ägyptische Hochkultur entstand nicht plötzlich aus dem Nichts. In die Esoterik rutscht Heine jedenfalls bei seiner These, dass Pyramiden und Obeliske der Ägypter oder der Maya von den Atlantern erbaut wurden und – so wie chinesische Pagoden – als Kraftwerke zum Sammeln kosmischer Energie dienten. Ab der Romanik kehrt Heine wieder eher zu den Fakten zurück – auch wenn der Anspruch, diese zu kennen, weit hergeholt ist; denn wie er selbst in einem Kapitel anmerkt, wissen wir wenig von vergangenen Zeiten. Das Hinzufügen eines Kapitels als Aktualisierung zu bezeichnen, ist wohl nicht gerechtfertigt, denn veraltete Passagen wurden nicht überarbeitet und ein Literatur- sowie Quellenverzeichnis fehlen weiterhin. Für aufmerksame und kritische Leser sind Heines Architektur-Betrachtungen jedoch immer noch lesenswert.