"Anton Kuh, Aufmischer aus Wien. Mensch gewordener Nerv. Zerplatzender Intellekt." So rühmte die "Vossische Zeitung" im Jahr 1920 den viel beachteten Stegreifredner und zeichnet damit ein treffendes Porträt dieses renitenten Geistes, der von 1890 bis 1941 gelebt hat. Wer mehr über Anton Kuh wissen möchte, sollte die Biographie lesen, die 2018 erschienen ist. Ihr Verfasser, Walter Schübler, ist sowohl Kuh- als auch Biographie-Experte. Bei Wallstein hat er 2016 eine siebenbändige Anton Kuh-Ausgabe herausgegeben, davor hat er Nestroy-, Gottfried-August-Bürger- und Johann-Heinrich-Merck-Biographien verfasst und dabei versucht, die Konventionen und Klischees der Biographik zu revidieren.

Schüblers Biographien vertrauen alle auf den "sprachlichen Eigenwert des Quellenmaterials", d.h. er lässt seine Helden und deren Zeitgenossen ausführlich selbst zu Wort kommen. Im Falle Anton Kuhs führt diese interpretierende Präsentation originaler Wortlaute zu einer Neubewertung des Autors. Gewiss war Kuh ein irrlichternder Geist, dessen Urteile nicht unbedingt gerecht sind. Aber seine Gedanken zur prekären Lage der jüdischen Intelligenz (der er selbst angehörte) sind ebenso bedenkenswert geblieben wie seine Kritik an der provinziellen Enge der österreichischen und deutschen Mehrheitskultur.

In den Literaturgeschichten wird Anton Kuh meist nur als charmanter Bohemien mit Monokel dargestellt, der sich durch die Kaffeehäuser Mitteleuropas schnorrte und seine Schulden mit Bonmots bezahlte. Wie Schübler in unverhohlener Bewunderung zeigt, war Kuh jedoch auch ein "hellwacher Zeitgenosse", der in die harten Kontroversen seiner Zeit mit provokanten und substanziellen Beiträgen eingegriffen hat.