Die 1992 geborene Autorin Elisa Shua Dusapin wuchs mit einem französischen Vater und einer südkoreanischen Mutter in Paris, Seoul und Porrentruy (CH) auf. In ihrem ersten Roman "Ein Winter in Sokcho" treffen in einer südkoreanischen Pension nahe der nordkoreanischen Grenze der französische Comiczeichner Yan Kerrand - etwa 50 Jahre alt - und die 23-jährige Ich-Erzählerin zusammen. Sie ist seit einem Monat in der vernachlässigten Einrichtung Mädchen für alles. In diesem eiskalten Winter sind kaum Gäste gekommen, daher hat sie viel Zeit, sich mit dem Franzosen zu unterhalten. Auf dem Fischmarkt, wo ihre Mutter arbeitet, bietet sie als Halbfranzösin immer noch "Anlass für Gerede"; ihren französischen Vater hat sie nie kennengelernt.

Mit dem französischen Künstler eröffnen sich ihr nun ganz andere Gespräche, und der Traum, in Frankreich leben zu können, rückt in Reichweite. Yan Kerrand sucht hingegen in der Abgeschiedenheit Ruhe und Frieden. Davon gibt es hier genügend: Warten, Schweigen und Leere prägen diesen Kurzroman, in dem es weniger um die Liebesgeschichte als um Stimmungsbilder geht, die sich wie zarte Tuschezeichnungen über die wenigen Seiten verteilen.