Wien. Ursula Poznanski gilt in Deutschland als Krimi-Star und kann auf eine Gesamtauflage von zwei Millionen Exemplaren verweisen. Die Wiener Spannungsautorin spricht im Interview über ihren Erfolg, das Leben abseits des Feuilletons und darüber, warum ehemalige Polizeispitzel am liebsten Blumen sprechen lassen. Der neue Roman "Vanitas" - Auftakt einer Trilogie - ging wenige Tage nach Erscheinen in die 4. Auflage.

Frau Poznanski, in deutschen Buchhandlungen sind ganze Wände mit ihrem neuen Thriller vollgestellt. Haben Sie den Stein der Weisen gefunden? Oder wie erklären Sie sich diesen enormen Erfolg?

Ursula Poznanski: Da kommen so viele Sachen zusammen. Ich glaube nicht, dass ich den Stein der Weisen gefunden habe, weil es den in der Buchbranche nicht gibt, meiner Meinung nach. Trotzdem wird heftig danach gesucht. Jeder versucht immer das nächste große Ding vorherzusehen oder zu erzeugen. Ich habe eine Art des Schreibens gefunden, mit der ich mich sehr wohlfühle und die vielen anderen Leuten gefällt. Wobei für mich im Vordergrund steht, dass ich so schreibe, wie ich es gerne lesen würde. Wahrscheinlich bin ich einfach Mainstream. Das heißt, was mir gefällt, gefällt offensichtlich auch einer Menge anderer Leute.

Sie haben große Erfolge im Bereich Kinder- und Jugendliteratur gehabt und schreiben auch weiter für diese Segmente. War es eine logische Entwicklung in Richtung Erwachsenengenre? Wie anders muss man für dieses Publikum schreiben als für ein jugendliches Publikum?

Poznanski: Es war zuerst nicht unbedingt eine logische Entwicklung. Es hat sich dadurch ergeben, dass ich eine Idee gehabt habe, die mir sehr gut gefallen hat und die unter keinen Umständen für ein Jugendbuch geeignet war. Ich habe dann mit meinem Agenten darüber gesprochen und der hat gesagt: "Das machst ja nichts, dann schreibst du jetzt eben auch für Erwachsene." Seitdem fahr ich zweigleisig und empfinde es als sehr angenehm, weil es im Kopf frisch hält, jedes Mal ein bisschen umzudenken, was die Zielgruppe betrifft. Ich muss jedoch einschränkend dazu sagen, dass für mich die Unterschiede nicht so massiv sind. Ich mache im Jugendbuch sicher ein paar Dinge anders, bin ein bisschen weich gespülter, aber nicht sehr. Ich schreibe mit der gleichen Konsequenz und versuche die Geschichten genau so komplex zu halten wie die der Erwachsenenbücher. Ich glaube, dass Jugendliche es überhaupt nicht mögen, unterschätzt und unterfordert zu werden.