"Die meisten MigrantInnen sind Wirtschaftsflüchtlinge" ist eine andere Behauptung, die der Sammelband auf seine Richtigkeit prüft. Dem Begriff haftet im öffentlichen Diskurs etwas Negatives an. Er impliziert, dass jemand keinen "echten" Asylgrund geltend machen kann, wie es im Beitrag heißt. Doch was steckt nun dahinter? Kommen die meisten Menschen nur nach Österreich, weil sie wegen der wirtschaftlichen Situation in ihrem Heimatland geflüchtet sind?

Nüchterner Faktencheck

Eine Befragung unter 1600 geflüchteten Personen in Wien liefert erste Einsichten. So gab etwa die Mehrheit der Menschen aus dem Iran an, aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit geflohen zu sein. 71 Prozent der Syrer sagten, dass sie vor dem gewaltsamen Konflikt im Land geflohen sind. 20 Prozent verwiesen aber gleichzeitig auf die wirtschaftliche Situation im Land. Denn der jahrelange Bürgerkrieg wirkt sich auch negativ auf die wirtschaftliche Stabilität aus.

Auch ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik entkräftet die These des Wirtschaftsflüchtlings. Denn der größte Zuzug ausländischer Staatsangehöriger kommt aus Rumänien, Deutschland und Ungarn – also aus drei EU-Staaten. Deutsche, Serben und Türken führen die Gesamtliste an ausländischen Staatsangehörigen in Österreich an. Afghanistan liegt erst auf dem neunten Platz, Syrien auf dem Zehnten. Geflüchtete machen also nur einen geringen Teil aller ausländischen Staatsangehörigen in Österreich aus. Zweifellos kommen Flüchtlinge auch aus wirtschaftlichen Gründen nach Österreich. Doch wie der Beitrag darlegt, ist dies keinesfalls die primäre Motivation.

Nicht immer sind generelle Antworten möglich, nicht alles stellt sich als Mythos heraus. Das war jedoch gar nicht das Ziel der Autoren. Vielmehr wollte man "zur Korrektur einseitiger Behauptungen, zum Abbau von Vorurteilen und zur Verhinderung der Entstehung echter Mythen" beitragen, wie Max Haller im Vorwort schreibt. Fazit: Das Buch checkt nüchtern die Fakten, die in vielen Debatten hilfreich sein können.