Paul Helmer ist ein leicht zynischer Marketingfachmann in den mittleren Jahren. Sein Chef Gerd ist das kreative Genie, Paul verkauft seine Ideen. Da sie für ihren neuen Kunden Oman Airlines dessen Expansion nach Europa vorantreiben sollen, baut Paul eine Außenstelle ihrer Frankfurter Agentur in London auf.

Fortan pendelt er zwischen der Londoner Geschäftswelt und seiner Familie im Taunus. Seine Frau Inge sieht das zunächst als Chance, um eingefahrene Spuren zu verlassen. Inge ist Ende vierzig und arbeitet nicht mehr. Ihr Fitness- und Schönheitsprogramm, Veranstaltungen an der Volkshochschule und in der Gemeinde bestimmen ihren Tagesablauf. Den Sinn des Lebens sucht sie bei einem Heiler.

Ihr Mann hat keinen Sinn für Übersinnliches. Dem, was ihn in London erwartet, steht er leidenschaftslos gegenüber. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass sein Auftraggeber Faisal, ein Milliardär, der die Oman Airlines gekauft hat, ihn so auf Trab halten würde. Und dann ist da noch Pauls und Inges schlecht gelaunte Tochter Judith. Sie hält ihre Eltern für Rassisten und Kapitalisten und sucht mit zweifelhaften Kunstprojekten nach einem Leben jenseits gesellschaftlicher Konventionen.

Andreas Martin Widmanns Roman "Messias" (sein zweiter nach dem Debüt "Die Glücksparade", 2013) besticht durch die Schärfe, mit der die drei Protagonisten ihre Umgebung wahrnehmen, und durch die Ruhe, mit der der deutsche Autor (Jahrgang 1979) durch unsere gleißend hell beleuchtete Gegenwart - und zunehmend in ihre Abgründe führt.