Die 1977 im ostdeutschen Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) geborene Kirsten Fuchs ist ein Lesebühnenstar in Berlin. Sie hat außerdem Theaterstücke und Romane verfasst, die durch eine manchmal schnoddrige, aber immer hochpräzise Sprache und einen eigenartig rauen Charme faszinieren. Ihr erster Erzählband "Signalstörung" enthält nun 19 Storys, die wie nebenbei vom Irrwitz des Lebens in schönen und schrecklichen Momenten erzählen.

Stille Momente wie der Tag, an dem sich ein Junge und ein Mädchen auf den Faröerinseln beim Fußballspielen mit einer Boje verlieben. Lebensentscheidende wie der Morgen, als ein Alkoholiker mit einem Fahrradschloss um die Hüfte aufwacht, es nicht abstreifen kann und es mit einer Flex entfernt werden muss; danach hört er auf zu trinken. In der Titelstory "Signalstörung" versuchen zwei Frauen während der Flüchtlingskrise 2015 den Weitertransport von Gestrandeten von einem Stellwerk aus zu organisieren. Und eine andere Story dreht sich um die vielfältigen Erniedrigungen und bizarren Erlebnisse in einem Jobcenter. Die Erzählerin kommt sich dabei vor wie in einem Computerspiel, das testet, ob sie zäh genug ist, um bis ans Ziel zu kommen.

Ein soziales Gewissen spricht aus vielen von Fuchs’ Geschichten - und sie hat die Gabe, so originell und amüsant von den alltäglichen Tragödien unserer Gegenwart zu erzählen, wie man es noch nie gelesen hat. Stets beweist sie dabei einen ungewöhnlichen Blick und Sinn für Absurditäten.