Über Sameks Biografie und seine Lebensverhältnisse in Wien ist wenig bekannt. Der einstige Kraus-Archivar Paul Schick verschweigt den Anwalt in der ansonsten informativen Rowohlt-Monografie über den Autor. Hans Weigel, der sich 1986 mit dem Band "Karl Kraus oder Die Macht der Ohnmacht" verdient machte, erwähnt Details, wie die Aufgabe des Anwalts als Testamentsvollstrecker. Aufschluss über Sameks geschäftliche Aktivität im "Fackel"-Verlag und das kleine Museum bringt ein Absatz in der Onlinedarstellung von kraus.net. Schließlich findet sich in dem verdienstvollen Band von Barbara Sauer und Ilse Reiter-Zatloukal über die "Advocaten 1938" ein kurzer Eintrag über die Kanzlei- und Lebensdaten Sameks.

In Wien-Sechshaus

Nach und nach konnte ich einige familiäre Umstände rekonstruieren, die für mich zudem persönliche Erinnerungen wachriefen, lebte Samek doch nur fünf Minuten entfernt von der Adresse meiner Vorfahren im Wiener Viertel Sechshaus, wo er in der Papierhandlung einer gewissen Marie Strejcek seinen Schreibbedarf deckte. Aus Parten und Einträgen im "Lehmann" geht hervor, dass Sameks Vater Jonas Markus hieß und einen Möbel- und Wäschehandel betrieb. Das Haus in der Reindorfgasse 18 hat ausreichend hohe Portale, um dies glaubhaft wirken zu lassen.

Der aus Trnva in der heutigen slowakischen Republik zugewanderte Vater war ein gläubiger Jude, worauf seine Tätigkeit in der Sterbekasse und im Begräbnisverein "Chewra Kadisha für die Bezirke XIIXV" schließen lässt. Dass Jonas M. Samek beide Töchter (Hilda und Irma) frühzeitig verlor, eine durch Unfall und eine durch Krankheit, und dass seine Gattin vor ihm verstarb, lässt sich ebenfalls belegen und spricht für eine familiäre Tragödie.

Als "Hiob" Samek selbst im Jahr 1934 das Zeitliche segnete und nach jüdischem Brauch binnen zwei Tagen beerdigt wurde, leistete der von ihm zeitweise präsidierte Verein gute Dienste. Laut den Forschungen zum "Turnertempel", der für das Sechshauser Viertel zuständig war und bis 1911 eine eigene Kultusgemeinde beherbergte, verfügte der 1938 zwangsweise aufgelöste Verein über einen eigenen Bestattungswagen und die notwendigen rituellen Gegenstände. Nach dem Tod des Vaters übersiedelte Oskar Samek mit seiner Kanzlei in das elterliche Wohnhaus, wo auch er zeit seines Wien-Aufenthalts gemeldet war, und nutzte den freien Platz für das schon erwähnte Kraus-Museum.

Späte Heirat

Samek war verheiratet, wobei der genaue Hochzeitstermin unklar ist. Von Interesse erscheint, dass seine Gattin Ilonka (ungarisch Ilona, geborene Kux) wie sein Vater aus einer slowakischen Stadt stammte. Sie hatte bereits eine Familie im Sechshauser Viertel gegründet, aus der eine Tochter namens Eva hervorgegangen war. Frau Ilona war um 1909 noch mit Herrn Oskar Seiler verheiratet, woraus geschlossen werden darf, dass Samek eher ein "Spätstarter" war, vermutlich weil er als junger Anwalt in den Akten unterging. . .

Im verhängnisvollen Jahr der NS-Machtübernahme in Österreich (1938) flüchteten alle Beteiligten, wobei Oskar Seiler via Niederlande nach Brasilien ausreiste, während die Sameks via Schweiz und Schweden nach New York emigrierten, wo sich wieder die Wege mit der Tochter aus erster Ehe kreuzten. Aus welchen Gründen immer die brasilianischen Visa erhalten blieben, ist unbekannt, aber sie zeigen, dass die zwischenzeitig mit einem Herrn Monschein verehelichte, in Wien geborene Eva Seiler ihren leiblichen Vater 1944 in Brasilien besuchen wollte, wozu ein Visum erforderlich war. Der immer noch fließendes Burgtheaterdeutsch sprechende Stiefvater Oskar Samek half ihr dabei, so wie er Karl Kraus zeit seines Lebens loyal unterstützt hatte.