Mit der Textsammlung "Das Nischenviech" ist dem Musiker und Schriftsteller Ernst Molden ein charmantes Büchlein geglückt, das Freude in die unterschiedlichsten Haushalte zu bringen verspricht: Voll auf seine Kosten kommt zuallererst der Tierfreund, denn Moldens Begegnungen mit etwa der Knoblauchkröte, dem Biber oder der Bettwanze sind unerwartete Abenteuer, die einfach als solche amüsant geschildert werden. Darüber hinaus mehrt der Autor auch das Wissen über diese Zufallsbekanntschaften, weil er eifrig in Nachschlagewerken blättert und das dort Gelernte auf eine witzige Weise kompakt zusammengefasst an seine Leser weitergibt:

"Der Biber, von der Evolution als bizarre Mischung aus U-Boot und Kettensäge angelegt, ist immer hungrig. Und seine Bäume fällt er nicht etwa zum Hausbau, wie die Volksseele glaubt. Zum Bauen genügt ihm meist das herumliegende Totholz, er will vielmehr an die Blätter. Ziel der Biber ist es, die Bäume ins Wasser fallen zu lassen, weil dieses ihr Laub möglichst lange frischhält."

Nach dem Tierfreund erfreuen sich der Wiener und der Österreicher ganz allgemein an diesem Buch, denn Molden ist sprachlich ein Hiesiger. Er frönt der Liebe zur knackigen Metapher und kommt im Übrigen ganz ohne Teutonismen wie "runter" oder "rauf" aus. Stattdessen bietet er dem diesbezüglich Kummer gewöhnten Leser keck Heimatliches wie etwa "fladern" für stibitzen oder "fäulen" für stinken. Solche sprachlichen Duftmarken sind mit Bedacht gesetzt, der Autor weiß, dass einander überlagernde Düfte das Gesamterlebnis beeinträchtigen würden.

In jedem der kurzen Texte ist zu spüren, wie ernst es dem Schreiber mit der Liebe zum Tier beziehungsweise mit der Verehrung für dasselbe ist. In jeder Begegnung feiert Molden, ja, das Wunder des Lebens, das wir gemeinhin summarisch "die Natur" nennen. Und wir Menschen dürfen daran Anteil haben! Daraus gewinnt der Autor einen heiter dankbaren Erzählton, der wiederum den Leser froh stimmt.