Für uns Festlandindianer läuft beim Wort Deich gleich ein ganzer Film ab: Sturmflut, Land unter, Schimmelreiter und ähnlich Schauriges mehr. Jan lebt in solch exponierter Lage. Allein. Sein Bauernhof duckt sich in einen Polder an Hollands Küste; der Deich bildet den fragilen Grenzschutz zur Urgewalt Meer. Ein Dasein im Rhythmus der Natur. Kommt dann der Winter, deckt keine Landarbeit die große Einsamkeit zu.

Jan gibt eine Kontaktanzeige auf. Bauer sucht Frau. Auf diesem Weg tritt Wil in sein Leben, die eigentlich Irene heißt (wie "eine Kartoffelsorte"), in der Anzeigenabteilung einer Zeitung jobbt - und gleich vorweg sagt, was sie will: ein Haus mit Meerblick, nicht unbedingt einen Mann. Für ihn ist das Meer "Wasser und Schlick", für sie der endlose Horizont.

Behutsam bringt der niederländische Autor Mathijs Deen (Jahrgang 1962) eine Paarbeziehung in Gang, allen Altlasten und Gegensätzlichkeiten der Akteure zum Trotz. Denn Wil/Irene, die zu völlig neuen Ufern aufbricht, hat es mit dem therapeutischen Ansatz: alles analysieren, auflisten, gemeinsam an einem Beziehungsvertrag arbeiten. Jan hingegen, Traditionsmensch durch und durch, geht es elementarer an: "Das ist der Himmel, und das hier bin ich."

Atmosphärisch dicht, angereichert mit einer Prise Philosophie und Situationskomik, erzählt Mathijs Deen von Pflichten und Ängsten, von Sehnsüchten und Kompromissen - kurzum vom Leben, wie es nun einmal ist "unter den Menschen".