Von außen betrachtet allerdings zeigt sich uns ein schmuckes Pferd, denn der Autor scheut keine Mühen, uns zum im Blick stehenden Märchen auch Andersens Biografie zu liefern - und die Staatsgeschichte Dänemarks, zumindest was die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts betrifft. Beide Historien lassen sich elegant mit den Inhalten von "Des Kaisers neue Kleider" verknüpfen, und sie tragen ohne Zweifel zu einer abgerundeten literarischen Studie bei.

Außenseite der Macht

Im Innern des Trojaners geht es freilich um etwas anderes, darin steckt die ursprüngliche Fassung des Märchens, jene Variante ohne das Kind, die Geschichte ohne Entlastung, worin der Kaiser zum Schluss kommt: "Dieses Gewand sollte ich wirklich jedes Mal anhaben, wenn ich in die Prozession gehe oder in der Volksversammlung auftrete!" Der Schluss, den Pfabigan aus dieser Urfassung zieht, ist ebenso unmissverständlich und - zeitlos: "Was Volk und Macht zusammenhält, ist die Fetischisierung der Außenseite der Macht, der Prunkkleider, und eine gemeinsame Unsicherheit, die in einen gigantischen wechselseitigen Betrug mündet."

Wer mag, kann jetzt für sich weiterlesen: Was wäre, wenn immer mehr Menschen eine Mauer zwischen den USA und Mexiko sähen, obschon da noch gar keine gebaut worden ist? Was wäre, wenn jemand den größten Unterwasser-Friedhof zwischen Afrika und Europa entdeckte, obwohl es diesen doch gar nicht gibt? Was wäre, wenn es so wäre, wie ich es mit eigenen Augen zu erkennen glaube?