Lawrence Ferlinghetti bei einer Lesung im City Lights Bookstore in San Francisco, 2007. - © By voxtheory from Las Vegas - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3444572
Lawrence Ferlinghetti bei einer Lesung im City Lights Bookstore in San Francisco, 2007. - © By voxtheory from Las Vegas - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3444572

Der Name und auch das vielfältige Werk des kalifornischen Schriftstellers, bildenden Künstlers und Verlegers Lawrence Ferlinghetti, der am 24. März 2019 seinen 100. Geburtstag feiern kann, ist vor allem in der deutschsprachigen (Literatur-)Welt kaum mehr geläufig.

Warum es aber geschah, dass ein Autor, dessen früher Lyrikband "A Coney Island of the Mind" (1958; deutsch "Ein Coney Island des Bewusstseins", 2001) zu einem Bestseller mit vielen Auflagen wurde (eine Million verkaufter Exemplare plus Übersetzungen in mindestens zehn Sprachen), während der 1980er Jahre wieder in Vergessenheit geriet, hat unterschiedliche Gründe, von denen einige benennbar sind.

Ab 1962 erschienen in deutschen Verlagen mindestens zehn Titel aus dem umfangreichen literarischen Werk Ferlinghettis, das viele Gedichtbände, Romane, experimentelle Prosa und Reise-Journale sowie eine größere Zahl von Theaterstücken in der Tradition des "Absurden Theaters" umfasst. Bis 2005 ist sein Erfolgsbuch "Coney Island" in drei deutschen Übersetzungen erschienen, und gerade im März 2019 folgt beim Verlag Schöffling seine jüngste autobiografische Erzählung "Little Boy".

Nachkriegsmoderne

In den 1980ern löste sich das Interesse eines internationalen Publikums von Medien und Verlegern an der sogenannten "Nachkriegs-Moderne", die ab Mitte der 1950er Jahre zu einem Aufblühen avantgardistischer Literatur und anderer Kunstformen an vielen Orten der Welt geführt hatte, langsam auf. Der idealistischhumanistische, pazifistische und generell der kritischen Aufklärung verpflichtete Impetus dieser Strömungen und Werke wurde mit der Beliebigkeit und geistigen Leere der postmodernen Entwicklung konfrontiert. Auffallend ist auch, dass diese Tendenz mit dem Aufkommen des ökonomischen Neoliberalismus zeitlich zusammenfiel.

Das hatte Auswirkungen auf den Buchmarkt, wo abzusehen war, dass die damals bekannten Literaturverlage ihr früher vorhandenes Engagement für Lyrik-Veröffentlichungen reduzieren würden. Noch 1980 erschienen bei Hanser in München "Ausgewählte Gedichte" von Ferlinghetti und Allen Ginsberg, die nächste Ausgabe von Ferlinghettis "Coney Island" erschien erst 2001 beim damals in Berlin gegründeten Kleinverlag Stadtlichter Presse. Der Verleger Ralf Zühlke wählte diesen Namen als Hommage an den Verlag City Lights, der von Lawrence Ferlinghetti und Partnern im Jahr 1954 in San Francisco, Kalifornien, gegründet worden war.