Brianna, genannt Bri, ist 16 Jahre alt und hat nur einen einzigen Lebenstraum: Sie will in die Fußstapfen ihres ermordeten Vaters treten, der als Gangstarapper eine kurze Karriere hingelegt hat. Doch genau das ist das Problem: Ihre Mutter, die eine Drogenvergangenheit hat, fürchtet natürlich, dass Bri dasselbe passieren könnte wie ihrem Daddy. Auf der anderen Seite ist da ihre Tante, die in Drogengeschäfte verwickelt ist und genau für den Lebenswandel steht, vor dem die restliche Familie Bri bewahren will, einschließlich ihrer standesdünkelbehafteten Großmutter, die als angesehenes Mitglied ihrer Kirchengemeinde keine Gangstarapperin in der Familie dulden würde. Die Geschichte greift Aspekte von Angie Thomas’ gesellschaftskritischem Bestseller "The Hate U Give" auf.

Angie Thomas zeichnet auf einfühlsame und auch eindrückliche Weise das Bild einer Jugendlichen, die als schwarzes Quotenmädchen an einer Vorzeigeschule ihren Platz in einer Gesellschaft sucht, die ihr eigentlich keinen geben will. Und sie nimmt neben Rassismus, Diskriminierung und Bandenkriminalität auch noch Themen wie Homophobie, Familienbeziehungen oder auch Kunstkapitalismus mit. Vor allem aber ist es eine 500 Seiten starke Liebeserklärung an eine Musikrichtung, die mitunter unterschätzt wird. Was die Lyrik betrifft, die im Hip Hop steckt, so hat Übersetzerin Henriette Zeltner gut daran getan, viel vom englischen Slang beizubehalten und auch die Original-Raptexte hat sie übernommen. Die Vokabel sind simpel genug, dass man sie mit reinem Schulenglisch weitgehend versteht, und das Buch bekommt damit auch in der deutschsprachigen Fassung eine gewisse Authentizität.

Nachdem Angie Thomas’ vergangener Bestseller "The Hate U Give" es bereits als Adaption auf die Kinoleinwand geschafft hat, darf man sich als Leser jetzt schon auf die Verfilmung von "On the Come Up" freuen. Es kann nur ein buntes Musik-Movie voller Frauenpower werden.

Angie Thomas: On the Come Up
cbj; 509 Seiten; ab 14 Jahren; 18,50 Euro