Der gebildete Zeitgenosse denkt beim Namen Theodor Fontane zuerst an den Romanautor. "Irrungen, Wirrungen", "Frau Jenny Treibel" und "Effi Briest" - zumindest diese Titel sind vielen noch präsent, auch deshalb, weil sie zum Kanon der Schullektüre gehör(t)-
en. Und die Älteren, die noch Gedichte auswendig lernen mussten, erinnern sich vielleicht an Balladen wie "Archibald Douglas", "Die Brück am Tay" und "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland".

Theodor Fontane (1818-1898) nahm seine großen Romane erst spät in Angriff. Zuvor hatte er hauptsächlich als Journalist gearbeitet. Nach einer wechselvollen Schulkarriere begann der 16-Jährige seine Ausbildung als Apothekerlehrling, also im gleichen Beruf wie sein Vater. Neben der ungeliebten Tätigkeit als Pillendreher und Salbenmischer blieb ihm genügend Zeit zur Lektüre. Favoriten waren die Autoren des Jungen Deutschland und weitere Schriftsteller des Vormärz.

Bald veröffentlicht er eigene Texte. 1839 erscheint seine Novelle "Geschwisterliebe" im "Berliner Figaro", drei Jahre später dann Gedichte und Feuilletons im Unterhaltungsblatt "Die Eisenbahn".

Während der revolutionären Barrikadenkämpfe von 1848 steht der junge Fontane auf Seiten der Republikaner. Seine regierungskritische Position erläutert er in Artikeln für die "Berliner Zeitungs-Halle" und später für die "Dresdner Zeitung". Prekäre finanzielle Verhältnisse bringen ihn dann dazu, ins sogenannte Literarische Cabinett einzutreten. Damit war er Mitarbeiter im Propaganda-Apparat der reaktionären preußischen Regierung. Er hatte sich an die Machtverhältnisse angepasst, die Wende zum Konservativen war eingeleitet.

Staatlicher Presseagent

Die Anstellung versprach Sicherheit und ermöglichte ihm so die Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer. Es war der Beginn einer fast 48 Jahre dauernden Ehe. Von den sieben Kindern überlebten nur drei ihre Eltern - der frühe Kindstod war damals kein seltenes Familienschicksal. Typisch auch die unsichere finanzielle Situation: Autoren wurden nicht mehr, wie noch ein Jahrhundert zuvor, von Mäzenen unterstützt, sondern mussten von ihren - meist dürftigen - Honoraren leben.

Das Literarische Cabinett, später umbenannt in Centralstelle für Preßangelegenheiten, war so etwas wie die Pressestelle der Regierung. Der neue Mitarbeiter musste die aktuellen Zeitungen auswerten und gelegentlich Presseaussendungen im Sinne der Regierungslinie verfassen. Da nach der März-Revolution die Präventivzensur ausgesetzt war, sollte so der staatliche Einfluss auf die Medien sichergestellt werden.