Irgendwie ist in diesem Kosmos alles "unbegreifbar im Möglichen liegend": Maurus Federspiel, der 1974 in Basel geborene Sohn des Schriftstellers Jürg Federspiel, entwirft in seinem Erzählband "Die Vollendung" phantastische Szenarien, in denen Trug-, Angst- oder Phantombilder den Boden des Realen gehörig ins Wanken bringen und damit der Wirklichkeit ungeahnte Dimensionen eröffnen.

Als Schöpfer solcher Bilder fährt Maurus Federspiel eine illustre Runde an Protagonisten auf. Da wäre zum Beispiel jener Phantomzeichner, der einem Antiquitätenhändler während einer Bahnfahrt sein Handwerk erklärt - und dem Reisegefährten zugleich tief in die Seele blickt. Eine Gabe, die den Zeichner noch aus den lückenhaftesten Angaben unglaublich klare Konturen entwickeln lässt. Seine Phantombilder enttarnen aber nicht nur gesuchte Übeltäter, sondern zaubern auch Freunde aus Fleisch und Blut herbei, die man insgeheim lange ersehnt hat.

Wie von Zauberhand erweitert scheint auch jene Ahnengalerie, die ein Mann seiner Angetrauten während des Hochzeitsfestes präsentiert. Denn die Konterfeis zeigen nicht nur die Verblichenen seiner Dynastie - sondern auch die Mitglieder künftiger Generationen.

Bild, Abbild und Vorbild vermischen sich in Federspiels magischem Reigen zu erweiterten Realitäten. Nehmen Sie die Einladung dieses Autors an, und begeben Sie sich auf eine schwindelerregende Reise durch neue Denkräume.