Das mit Neid grundierte Gefühl ihrer Landsleute all jenen gegenüber, denen es allein schon wegen ihres Passes besser geht, trifft sie damit punktgenau.

Der junge Schwede besitzt Takt genug, um zu wissen, wann es besser ist, zu schweigen. Und dieser guten Manieren wegen, nicht wegen seines Passes, öffnen sich ihm in Prag auch Türen, die anderen für immer verschlossen bleiben. Zum Beispiel die von Herrn Luká, der "vor Theresienstadt und Auschwitz sowohl Ärzte, Anwälte und Bankiers in der Familie" hatte.

Vorkriegsanzüge

Seitdem ist Herr Luká, der Dokumentarfilme dreht, die "zur besten Sendezeit im Staatsfernsehen gezeigt werden", in eine "zwar erfolgreiche, aber trotz allem bohemehafte Existenz" abgestiegen. Er verdient genug Geld, um seine Familie zu ernähren, aber zu wenig, um sich neue Anzüge schneidern zu lassen. Er trägt also, zum Hut, den er beim regelmäßigen Spaziergang zieht, wenn er Bekannte begrüßt, noch seine Vorkriegsanzüge. Und aus lange vergangenen, besseren Zeiten sind auch die Austerngabeln, die immer auf dem Tisch liegen, wenn Familie Luká Gäste empfängt - obwohl es Austern in Prag schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.

Es sind nicht die groben, es sind die feinen Unterschiede, denen Richard Swartz überall nachspürt. Aber es sind nicht die kleinen Gemeinsamkeiten, sondern die großen, die er zwischen Rassen, Klassen und Ideologien dabei aufdeckt. Was oberflächlich betrachtet nur wie eine Kritik am Kommunismus aussieht, ist wesentlich mehr: ein ernüchterndes Bild des maßlosen Menschen, dem allein aus den Mitteln des Materialismus naturgemäß kein endgültiges Heil erwachsen kann.

Aber es bleibt, dank des Humors des Autors, auch in dieser aussichtslosen Lage noch Hoffnung: Könnte man den Mut von Greta Thunberg mit der Weisheit und dem Witz von Richard Swartz vereinen, dann ließen sich Teile unserer schönen Welt noch vor dem Untergang retten.