Vor 24 Jahren war seine schöne, lebenslustige Schwester Summer während eines Picknicks im Wald spurlos verschwunden. Ist sie tot? Lebt sie noch? Benjamin Wassner, der Erzähler in Monica Sabolos Roman "Summer", hat seitdem fast nie mehr an die Schwester gedacht, obschon er sie, die so ganz anders war als er, vergötterte. Nach ihrem Verschwinden tauchte der schüchterne Bruder in eine Traumwelt ab. Auch die Eltern, die am Genfersee ein glamouröses Partyleben führten, zogen sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Der Vater hatte als Anwalt Oligarchen und Steuerflüchtige vertreten, die Mutter hatte nichts zu sagen. Monica Sabolo rekonstruiert atmosphärisch dicht und metaphernreich eine Familientragödie, deren Hintergründe erst nach Jahren des Verdrängens zutage treten.

Die französische Autorin zieht den Leser in die Psyche ihres Protagonisten, der mit Medikamenten und Drogen seinen Albträumen, der Verzweiflung und Verwirrung zu entgehen sucht. Ein überraschendes Ende rundet diesen eindrucksvollen, sprachlich brillanten Roman ab.