Die im Bewertungsbogen so apostrophierten Gendarmen mussten damit rechnen, in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert zu werden.

In dem gerade erschienenen Buch ",dachaureif‘. Der Österreichertransport aus Wien in das Konzentrationslager Dachau am 1. April 1938" werden alle Opfer dieses ersten Transports in biografischen Skizzen und - soweit verfügbar - mit Abbildungen porträtiert. Stellvertretend zwei Fallbeispiele der insgesamt 150 Österreicher. Die Beispiele wurden ausgewählt, um zu dokumentieren, wie dramatisch die Lebenswege der Opfer nach der Entlassung - sofern sie überlebt haben - aus dem Konzentrationslager mitunter verliefen.

GERÖ Josef Dr.

Josef Gerö, Dokument, 1947. - © Picasa
Josef Gerö, Dokument, 1947. - © Picasa

Geboren am 23. 09. 1896 in Maria Theresiopel/Subotica

Letzte Wohnadresse März 1938: Wien 7., Lerchenfelderstraße 13

Jurist

1926-1929: Staatsanwalt in Wiener Neustadt, anschließend in der Leopoldstadt

1927-1938: Präsident des Wiener Fußballbundes

Bis 1930: Referent für allgemeine Strafsachen

1931-1934: Referent für politische Strafsachen

1934: Personalreferent im Justizministerium, später Leitung der Abteilung für politische Strafsachen

1934-1938: als Staatsanwalt Mitwirkung an der Verfolgung von revolutionären SozialistInnen und Februarkämpfern

Ab 1936: Tätigkeit als Erster Staatsanwalt

Nummer auf der Gestapo-Liste: 103

Festnahme am 20. März 1938

02. 04. 1938: Einweisung in das KZ Dachau - Gefangenennummer: 13.873

Häftlingskategorie: "Schutzhaft - Jude"

22. 09. 1938: Überstellung in das KZ Buchenwald; nach insgesamt 16 Monaten Haft aufgrund einer Intervention des Wiener Fußballbundes freigelassen

August 1939: Flucht nach Jugoslawien, wo er in Zagreb als Prokurist in der Textilfirma seines Bruders arbeitete

Nach dem Überfall der Nationalsozialisten in Jugoslawien Gestapohaft im April 1941 sowie neuerlich ab 23. 06. 1944; Verpflichtung zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie

Ab 27. 04. 1945: Parteiloser - von der SPÖ nominierter - Staatssekretär (und anschließend Bundesminister) für Justiz bis 1949, bzw. nochmals 1952 bis 1954

20. 07. 1945: als erster österreichischer Akademiker Wiederverleihung des am 17. 06. 1942 aus rassistischen Gründen aberkannten Doktortitels

1949-1952: Präsident des Oberlandesgerichts Wien

1945-1954: Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes sowie ab 1946 Präsident des Österreichischen Olympischen Comités.

Gestorben am 28. 12. 1954 in Wien

1973 wurde in Wien-Liesing die Gerögasse nach ihm benannt.

BURSTYN Nathan (Naftali)

Burstyn Nathan, Passbild - © Picasa
Burstyn Nathan, Passbild - © Picasa

Geboren am 18. 04. 1904 in Nadwórna/Nadwirna

Letzte Wohnadresse im März 1938: Wien 3., Beatrixgasse 14a

Vertreter

Nummer auf der Gestapo-Lis-te: 12

Festnahme am 14. März 1938

02. 04. 1938: Einweisung in das KZ Dachau - Gefangenennummer: 13.918