Exzentrisch nennt sie sich, vom Weg abgekommen - und doch auch, nach außen, eine "normale Frau, aus einer normalen Familie". Die Ich-Erzählerin des Debütromans "Stirb doch, Liebling" der in Frankreich lebenden Argentinierin Ariana Harwicz gibt von Anbeginn an viel von sich preis: von ihrer unterdrückten Sinnlichkeit, ihrer Frustration als Mutter und Ehefrau, von ihren Dämonen und kriminellen Phantasien. Namen spielen da keine Rolle, das Personal verkörpert Typen.

Die Ich-Erzählerin stammt aus einem fremden Land. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Aggression, der Hochschaubahn ihrer Gefühle. Ihre Sprache ist radikal bis vulgär - und manchmal auch getränkt von Melancholie: "Der Nachmittag zieht vorüber und ist ein schwerfälliges Tier, eine riesige Robbe, die ins Wasser taucht."

Sie sitzt fest in der Monotonie des Dorf- und Familienalltags, der Verloren- und Verlogenheit, der sozialen Kontrolle. "Man muss begeistert wirken und so tun, als ob man lebe." Doch das nicht Gelebte lastet schwer, zerstört ihre Ehe, schürt ihre Lust an der Provokation, weckt wüste Träume. Dabei kehrt, in der Realität wie in der Vorstellung, ein Requisit leitmotivisch wieder: das Messer.