Von Vorworten geht ein leiser Schreck aus, wenn sie sich Seite um Seite dahinschlängeln und zwischen Leser und Buch stehen wie ein langatmiger Redner vor dem Festtagsbuffet. Armin Thurnhers Vorwort im eigenen Buch ist kurz und knackig.

Eine Frische durchweht von Anfang an diesen Text, die bei einer literarischen Blindverkostung zu falschen Altersangaben führen würde. Manch ein Bedeutender entwickelt ja eine Neigung zur Rechthaberei, zur Knorrigkeit und anderen Altersfehlhaltungen, wenn er von der vergehenden Zeit zum Jubilar gemacht wird und seine Erinnerungen niederschreibt.

Die Frische in Thurnhers autobiografischem Roman "Fähre nach Manhattan" kommt von einer zeitlosen Freude am Staunen, einer raffinierten Lust am Sprachwitz und einer ausdauernden Kompetenz im Beobachten, die Thurnhers "Falter"-Kolumnen allwöchentlich zum empfindlichsten Prüfstand der österreichischen Politik machen. Es ist ein Lesefest, angerichtet von einem jungen 70-Jährigen, der sich mit dem alten 18-Jährigen, den er beschreibt, bestens versteht. Was ihn nicht daran hindert, den Überschwang des jungen Mannes behutsam zu ironisieren, ohne das große Kind, das er in den 60er Jahren war, wegzulegen.

Ironie, Sprachwitz & Revolte: Armin Thurnher. - © Hans Leitner / First Look / pict
Ironie, Sprachwitz & Revolte: Armin Thurnher. - © Hans Leitner / First Look / pict

Der junge T. war einmal ein ehrgeiziger Spross Vorarlbergs, griechisch-klassisch geschult, dazu noch Klavierspieler und Tennis-crack, Fußballer und Skifahrer. Seine Wege hätten in Regionalzeitungen, Landesämter oder Geschäftsführerhöhen führen können. Er aber will noch höher hinaus und bricht im Schnürlsamtanzug in ein Land des Wohlstands und der Sorglosigkeit auf, ein "Land voll schöner Frauen und starker Männer". Die Beschreibung der jugendlichen Illusionen nimmt schon vorweg, dass der junge Mann etwas ganz anderes finden wird. Tagebücher hat Thurnher nie geführt, aber die poetische Rekonstruktion seines Lebens macht den jungen T. lebendiger, als es verstaubte Notizen je könnten: "Ich sehe mich um im tiefen Keller dieser Erinnerung und folge dem Licht meiner Phantasie, das durch die Glasziegel in der Decke fällt und einiges beleuchtet."

Geist der Rebellion

In der gelassenen, ausgelassenen autobiographischen Erzählung flirrt das Jahr 1967 durch die Hallen des Wagner College, wo der Gaststudent irreversibel vom Geist der Rebellion infiziert wird. Nachrichtenhappen von damals leiten die Kapitel ein und spiegeln die Aufregungen der Epoche. Da ist zum einen der phantastische Optimismus, um den wir die ehemaligen Zeitgenossen beneiden können, aber auch die Radikalität, mit der man sich gegen die Starre der Verhältnisse, gegen die Gewalt der Obrigkeit, gegen die Zumutungen des Vietnamkrieges wehrt.