Als der junge Bauer Viljami aus dem Krieg heimkehrt, ist die Welt für ihn nicht mehr wie zuvor. Die Ereignisse an der Front und das rätselhafte Verschwinden seiner Frau Lempi machen aus ihm einen gebrochenen Charakter. Auch weil er ahnt, dass von den Menschen in seinem Umfeld weder Trost noch Heilung zu erwarten sind. Dabei hatte alles mit einem glücklichen, rauschhaften Sommer begonnen: Viljami verliebt sich Hals über Kopf in die temperamentvolle, kaum zu zähmende Lempi, deren Name auf Altfinnisch Liebe bedeutet, und heiratet sie so rasch, wie er sich in sie verliebte. Doch der Tochter eines Ladenbesitzers aus Rovaniemi ist das Hofleben fremd, und so stellt ihr Mann die missgünstige, eifersüchtige Magd Elli ein.

Das Glück des so ungleichen Paares währt nur kurz. Nach dem unbeschwerten Sommer wird Viljami zum Kriegsdienst eingezogen - Finnland kämpft auf der Seite der deutschen Waffenbrüder gegen Russland. In Feldbriefen informiert ihn die Magd, dass seine Frau ("wurde beim Einsteigen ins Auto eines Deutschen gesehen") wie deren Schwester Sisko nach Deutschland gegangen sei. Und kurz darauf: "Mein Beileid. Sie ist gestorben, sagen die Leute."

Wer war diese geheimnisvolle Lempi, die das Leben von drei Menschen so stark und unheilvoll beeinflusst hat? Minna Rytisalo, 1974 in Lappland geboren, lässt diese Frage aus drei Perspektiven beantworten. Der verzweifelte Viljami, die Magd Elli und Viljamis Schwägerin Sisko zeichnen das Bild einer vielschichtigen, schwer zu fassenden Persönlichkeit.

Im ersten Teil des Romans berichtet der trauernde Ehemann von einer quirligen, lebensfrohen und gebildeten jungen Frau, die mutig und selbstbewusst ihren Weg ging. Aber stimmen seine Erzählungen oder sind es doch nur die zwischen Verzweiflung und Verklärung oszillierenden Erinnerungen eines seelisch versehrten Hinterbliebenen?

Das zweite, aus der Sicht der manipulativen Magd erzählte Romandrittel lässt uns daran zweifeln. Elli zeichnet das Bild einer verwöhnten, egozentrischen Nebenbuhlerin, die ihr den schlichten Bauer auf hinterhältige Weise ausgespannt und, kaum war der Krieg da, die Kinder im Stich gelassen und das Weite gesucht habe. Nun, nach dem Tod der verhassten Kontrahentin, ist ihr keine Intrige, keine Lüge und kein Opfer zu groß, um Viljami an sich zu binden.

Der dritte Teil des Romans bietet dem Leser die Sicht von Sisko, der elf Minuten jüngeren Zwillingsschwester von Lempi. Sie hatte sich zu Kriegsbeginn mit dem Wehrmachtsoffizier Max verlobt, sieht diese Beziehung aber nur als Mittel zum Zweck, um nach Hamburg zu ziehen und dort als Seelenverwandte der geliebten, fast krankhaft beneideten Schwester glücklich zu werden. Die eigentlich abwesende und doch so präsente Lempi bildet die Projektionsfläche für all die großen Emotionen, welche die drei Erzähler heimsuchen: (unstillbare) Sehnsüchte, (vergebliche) Hoffnungen, (unterdrückte) Leidenschaften und (unheilvolle) Wünsche. Mit dunkel grundierter Melancholie und bitterböser Tragikomik erkundet Minna Rytisalo in ihrem Romandebüt auf lesenswerte Weise das Seelenleben ihrer Protagonisten.