Frankreich ist bekanntlich das Land der Revolution, und wie gern man dort bis heute - gerne auch gewaltsam - gegen die Mächtigen und Reichen (die oft identisch sind) aufbegehrt, zeigen die jüngsten Proteste der sogenannten Gelbwesten. Mit ihnen wehe wieder ein Hauch von 1789 durch Paris, verkünden nicht wenige Beobachter, und man weiß im Grunde nicht so recht, ob man das bejubeln oder Angst davor haben soll.

Für Éric Vuillard dürfte diese Frage klar zu beantworten sein: Das Bild, das der französische Schriftsteller von den Ereignissen des 14. Juli 1789, des berühmten Sturms auf die Bastille, zeichnet, bezieht eindeutig Position: für die einfachen Menschen, die an diesem Tag die revolutionäre Masse bildeten und der Weltgeschichte eine Wendung gaben, und gegen die eitle Adelsschicht, die im Luxus von Versailles schwelgte, während das Volk Hunger litt.

Vuillard schreibt eine "Geschichte von unten": In ihr wirken die kleinen Händler und Handwerker, die Tagelöhner und Verarmten wie "Breughel-Figuren", denen man sich näher fühle als den Gestalten, die den Bildvordergrund bevölkern. So entsteht ein ganz hübsches Tableau und buntes Panorama, das aber so recht nicht zünden will. Vielleicht weil die Geschichte der Französischen Revolution zu den meistbeackerten Geschichtsfeldern gehört und überdies ein recht komplexes Geschehen darstellt, vielleicht weil bei Vuillard zu viel Revolutionsromantik im Spiel ist.

Vuillards Anspruch, diejenigen, die Geschichte gemacht haben und doch von der Geschichte vergessen wurden, aus dem Dunkel der Vergangenheit zu holen, wirkt dieses Mal etwas wohlfeil und seltsam spanungslos. Seine Spezialität der historischen Miniaturen droht so ein wenig zur Masche zu werden.

Hatte man nach der Lektüre von "Die Tagesordnung" (2017, Prix Goncourt) oder "Kongo" (2015) noch das Gefühl, einer interessanten Geschichtsstunde beigewohnt zu haben, die den historischen Horizont erweitert, so ist das in "14. Juli" (das Buch ist im Original bereits 2016 erschienen) nur ganz gelegentlich der Fall. Am Ende jedenfalls findet Vuillard, man müsse wieder einmal "die Türen unserer lächerlichen Élysée-Paläste eintreten". Die - noch immer in vielen Städten Frankreichs protestierenden - Gelbwesten dürften ähnlich denken.