Achtundzwanzig Jahre nach seinem Schiffbruch kann Robinson unter abenteuerlichen Umständen die Insel endlich wieder verlassen. Er hilft dem Kapitän eines vorbeifahrenden Schiffes, sich gegen seine meuternde Besatzung durchzusetzen und darf zur Belohnung nach England mitfahren. Es folgt ein Happy End: In Europa angekommen, findet Robinson heraus, dass sich sein Vermögen während seiner Abwesenheit beträchtlich vermehrt hat und er ein reicher Mann geworden ist.

Aber wer stand hinter diesem Werk, das bis heute in aller Welt gelesen und als erster Roman der englischen Sprache bezeichnet wird? Der Autor wurde als Daniel Foe 1660 in London geboren, erst später fügte er das "De" zu seinem Namen, um sich den Anschein einer adeligen Herkunft zu geben. Sein Privatleben verlief glücklich, die 47 Jahre dauernde Ehe mit seiner Frau Mary brachte dem Paar acht Kinder.

Beruflich lief es weniger gut: Defoes Karriere als Kaufmann war ein ständiges Auf und Ab. Am Ende seines Lebens schrieb er über sich selbst, dass er "dreizehn Mal reich und arm" gewesen sei. In Summe überwogen die schlechten Zeiten, und so häufte er einen Schuldenberg von 17.000 Pfund an. Das Ergebnis: Er musste Konkurs anmelden und geriet deswegen sogar kurz ins Gefängnis. Nach dem Scheitern als Kaufmann investierte Defoe in eine Ziegelei, hatte aber auch damit kein Glück, denn der Betrieb musste bald schließen.

Defoe war an den politischen und sozialen Entwicklungen seiner Zeit interessiert und hatte ein großes Talent: Er konnte gut schreiben. In unzähligen Flugschriften und Pamphleten kritisierte er die anglikanische Staatskirche und ergriff Partei für den damaligen englischen König Wilhelm III. Nach dessen Tod bestieg seine Schwägerin Anne den Thron, und es folgte ein Wechsel in der Religionspolitik. Defoe geriet deswegen in das Visier der Behörden.

Defoe am Pranger

1703 überspannte er den Bogen: Nach der Veröffentlichung eines kritischen Gedichtes wurde er verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch damit nicht genug: Defoe musste für drei Tage an den Pranger. Der Legende nach sollen seine Schriften beim Volk aber dermaßen beliebt gewesen sein, dass er von diesem nicht, wie sonst üblich, als Verbrecher beschimpft und mit Dreck, sondern mit Blumen beworfen wurde. Die drei Tage waren ihm aber eine Lehre, denn nach diesem Erlebnis arrangierte er sich mit den Machthabern. Defoe gründete eine Zeitschrift, die stets sehr regierungsfreundlich berichtete, egal, welche Partei gerade an der Macht war. Und schließlich begann er sogar für die Regierung zu spionieren. Auch dabei erwies er sich als sehr flexibel, denn er arbeitete für beide große Parteien als Informant. Im Alter von 59 Jahren nahm sein Leben eine neuerliche Wende, als er nämlich das Buch über Robinson Crusoes Abenteuer veröffentlichte. Es war sein erster Roman, und er machte ihn über die Grenzen Großbritanniens hinaus schlagartig berühmt.

Die Inspiration dafür fand Defoe im Schicksal des schottischen Seefahrers Alexander Selkirk, der alleine auf der Insel Más a Tierra hunderte Kilometer vor der chilenischen Küste überlebt hatte. Selkirk war an Bord eines englischen Freibeuterschiffes auf die Insel gekommen, zweifelte aber an der weiteren Seetauglichkeit des Gefährtes und entschloss sich daher, lieber allein auf der Insel zu bleiben, als mit seinen Kumpanen wieder in See zu stechen.