"Wie konnte sie mir das antun?" Die Rede ist von Zlabya, der Tochter des Rabbiners, der Herrin der Katze des Rabbiners. Doch zuallererst: Sie ist wieder da! Der französische Zeichner Joann Sfar hat nach einem langen Jahrzehnt seine "Katze des Rabbiners" fortgesetzt. Wer sie kennt, hat diesen Augenblick mit Sehnsucht erwartet. Das Warten hat sich gelohnt: Drei Folgen auf einen Schlag sind nun auf Deutsch erschienen, wunderbar aufgemacht in einem großformatigen Sammelband.

Sie ist eine der witzigsten Figuren im gegenwärtigen Comic: Frech und schlau, egoistisch und charmant, schamlos und niemals um ein Wort verlegen. Richtig, die Katze des Rabbiners kann sprechen - seit sie im ersten Band der inzwischen achtteiligen Serie den Papagei gefressen hatte.

Jüdisches Leben

"Die Katze des Rabbiners" spielt im Algerien der 1920er, 1930er Jahre und zeichnet ein einzigartiges Bild jüdischen Lebens im nordafrikanischen Mittelmeerraum. Zusammen mit der kürzlich zum Abschluss gebrachten fünfbändigen Comicserie "Klezmer" (2007-2017) dokumentiert Sfar darin Spuren der Vergangenheit seiner "halb-russischen, halb-algerischen Familie".

Spannend sind dabei auch die Unterschiede: Während sich auf dem Hintergrund eines ukrainisch-russischen Antisemitismus und grauenvoller Pogrome zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein nicht-religiöses Judentum herausgebildet hatte, das die Figuren in der "Klezmer"-Reihe repräsentieren, handelt es sich in "Die Katze des Rabbiners" um ein traditionelles, religiöses Judentum, das sich durch ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen auszeichnet. In der Figur der Katze bringt Sfar die beiden jüdischen Kulturen ein weiteres Mal miteinander in Verbindung. Denn die Katze hat nicht zufällig die Augen einer Figur aus "Klezmer", Jaacov, und spricht ganz wie diese.

In Sfars Kosmos sind sie dieselbe Figur, eines der Alter Egos des Autors. Solche Verknüpfungen zeugen von Sfars schöpferischer Meisterschaft, die sich außerdem in einem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Einfällen kundtut. Man denke nur an jene Enklave jüdischer Schwarzer im äthiopischen Afrika, die er apodiktisch klarstellen lässt: Weiße Juden gebe es nicht.

In der einen der drei neuen Folgen mit dem arglos daherkommenden Titel "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben" geht es ausnahmsweise weniger um die Religion, es sei denn man betrachtet die Liebe auch als Religion. Für die Katze bricht gerade eine Welt zusammen. Zlabya hat nämlich geheiratet und nun bekommt sie auch noch einen Sohn: "Wie konnte sie mir das antun?" Sie liebt ihre Herrin, ja sie vergöttert sie. Besinnungslos vor Eifersucht, lässt Sfar seine Katze eine ganze Folge lang jammern.